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Noch
erschlagen von der Kenntniss des Motorschadens werden wir bei
Mercedes aufgehalten. Der Pförtner will uns nicht ausfahren
lassen und weist mit seinem knochigen Zeigefinger zurück. Ich
blicke über den Hof und werde von der gleissenden Sonne
geblendet, die an den Wellblechtoren der Werkhallen reflektiert wird.
Die vom Wind bewegten Umrisse eines Mannes kommen auf uns zu. Aus dem
Licht tritt er zu uns in den Schatten: "Der Prinz aus dem Maurenland".
Sidi
Ahmed ould El Goul Jabar, genannt "le grand Mohammed",
stellt sich der junge Mann vor, der wohl gerade zwanzig Jahre alt
ist. Gekleidet mit einem edel bestickten Kaftan, den Kopf in einen
Chech gehüllt, können wir von ihm nur die Nase und den
schmalen Schnauzbart über seinem Mund erkennen. Seine Augen
bleiben hinter einer modischen Sonnenbrille verborgen. Er hätte
von unserem Problem gehört, spricht uns Mohammed in akzentfreiem
Englisch an. "Für die Dauer der Reparatur könnt Ihr im
Gästehaus meines Vaters wohnen." Wir beäugen ihn
misstrauisch. Die Touristenjäger in Marokko waren uns eine
Lehre. Ich schaue Joly fragend an. "Sollen wir ihm vertrauen und
ihm folgen?" Er versucht, uns zu überzeugen. Wie sein
Vater, will er ein Freund aller Europäer sein und uns helfen.
Sein makelloses Auftreten, mehr aber noch sein nagelneuer Mercedes
Geländewagen, lassen uns zumindest hoffen, nicht einem
Strauchdieb in die Fänge geraten zu sein. Wir willigen ein, uns
das Gästehaus anzusehen.
Etwas
ausserhalb des Zentrums liegt das Gästehaus. Es ist in der
kantigen, für moderne arabische Städte typisch schmucklosen
Bauweise errichtet. Umgeben von einer hohen Mauer, liegt das
eingeschossige Gebäude auf einem verwahrlosten Grundstück.
Abgesehen von einem verkrüppelten Baum ist der staubige Hof
leblos und leer. Durch die weisse Fassade des Hauses laufen etliche
breite Risse. In der Nähe des Eingangs liegen einige Beton- und
Steinbrocken. Wie bei allen anderen Gebäuden der Stadt fragen
wir uns, ob das Haus halb fertiggestellt oder bereits wieder halb
eingerissen ist. |
3) |

Nachtlager
im Gästehaus
"Dies
ist eines von 25 Häusern meiner Familie in dieser Stadt.
Für die Dauer Euerer Anwesenheit ist es Euer Haus. Der
Hausmeister heisst Ahmed und steht zu Eurer Verfügung." Das
klingt wie im Märchen. Aber wie alle Märchen, ist auch
dieses nicht wahr. Wir treten in das "Gästehaus" ein
und schauen irritiert um uns. "Ist dies eine Baustelle oder wird
das Haus tatsächlich morgen abgerissen?" In den meisten
Zimmern türmen sich Bauschutt, Schrott und zerbrochene
Haushaltswaren. Die pompösen Kronleuchter hängen völlig
zerstört von den Decken; gleich meterweise sind Wände und
Böden aufgerissen. Stolz werden uns aber alle Zimmer gezeigt.
Wir nehmen den kleinsten Raum. Er ist frei von Bauschutt und scheint
auch schon einmal gefegt worden zu sein. Die Fenster sind vergittert,
die Türe hat aber kein Schloss mehr. "Keine Sorge, Ahmed
wird in Euerer Abwesenheit über Euere Habseligkeiten
wachen." Also gut, die Umgebung werden wir für einige Tage
ertragen können. Die Unterkunft ist kostenlos und scheint zudem
sicherer als der Campingplatz zu sein. Wir entladen den Wagen und
stapeln Säcke, Kanister, Aluminiumkisten, Sandbleche und die
restliche Ausrüstung in dem kleinen Zimmer. |