Nicht nur, dass wir ziemlich ahnungslos nach Afrika aufgebrochen sind. Wir hatten uns im Vorfeld auch nie ernsthafte Gedanken darüber gemacht, wie man eine solche Reise "dokumentieren" sollte. Warum auch? Ist doch nichts besonderes. Oder vielleicht doch?

Erst mit der Zeit merkten wir, dass das grösste Geschenk, dass wir uns machten - die Zeit so zu leben wie wir wollten - doch irgendwie festgehalten werden musste. Nachdem wir in den ersten 4 Monaten gerade 10 Filme verknipst hatten, wurden wir zumindest beim Fotografieren etwas aktiver. Unsere Tagebucheinträge blieben aber ähnlich mager wie zu Anfang. Zum Ausgleich haben wir sehr viel Briefe nach Hause geschickt (über 1000 in den 2 Jahren), um unseren Lieben daheim zu beschreiben, was wir so alles erfahren haben.

Erst kurz vor dem Rückflug von Windhoek nach Hause kam uns der Gedanke, die Reise etwas umfangreicher und zusammenhängend aufzuschreiben. So krizelte ich die ersten paar Zeilen für ein Buch in mein Diary und es ging heimwärts. Zu Hause hat man dann aber so viel um die Ohren, dass aus der Feder (resp. den PC-Tasten) nicht mehr heraus kam als ein Reisebericht über den Kongo. Erst Walter Kamm vom Globetrotter Magazin sagte uns dann: "Ihr habt doch so viel erlebt. Das sprengt jeden Reisebericht. Das ist ein ganzes Buch."

Ein ganzes Buch. - Nachdem Joly wieder zu Arbeiten begonnen hatte und unser Lebensunterhalt gesichert war, fing ich also an, das Tagebuch aufzuarbeiten und vor allem unsere Briefe zu studieren, die unsere Angst und Freude am besten wiedergaben. Die reine Schreibarbeit betrug dann 3 Monate, wobei ich aber zwischendurch noch den Umzug in unsere neue Wohnung zu erledigen hatte. Am Ende der Arbeit standen 30 fotokopierte Exemplare, die für die Familie und enge Freunde, vor allem aber für selbst uns gedacht waren.

Zwei dieser Bücher sandten wir dann an Verlage. Mit der Reaktion... Keine Reaktion. Also mal nach drei Monaten höflich per Brief nachgefragt. Keine Antwort. Nach sechs Monaten angerufen und fadenscheinige Ausflüchte zu hören bekommen. Lektor krank etc. Da ich mittlerweile auch wieder zu arbeiten begonnen hatte, war das Buchprojekt damit gestorben.

Das Buch irgendwo auf eigene Rechnung professionell drucken zu lassen, war uns in der Schweiz zu teuer (die Preise sind wirklich kaum zu glauben). Mit all den Wünschen nach Farbbildern, Karten etc. war es zudem kaum möglich, den Druck jemandem im (kostengünstigeren) Ausland in Auftrag zu geben.

Irgenwie fand sich dann aber eine kleine Druckerei, bei der wir die Textseiten bei akzeptablen Kosten drucken lassen konnten. Im Kontakt-Offset Verfahren, so dass wir den Satz des Buches selber machen konnten und Laserkopien als Druckvorlagen liefern konnten. Unser Pech: der Druck erfolgte in DIN A 4. Die Blätter wurden dann in der Mitte geteilt und wir waren bald stolzer Besitzer von 152.000 bedruckten DIN A 5 Blättern. Zunächst hofften wir noch, die Blätter selbst sortieren zu können, gaben den Gedanken aber bei erster Ansicht des Papierberges auf. So freute sich bald ein Behindertenwerk über den Auftrag, die 1000 Bücher zu sortieren.

Die Farbseiten und das Cover hätten wir dagegen ohne die Hilfe und Arbeit von Jolys Schwester Renate nicht hinbekommen. Sie kommt vom Fach und hat in Nachtarbeit wunderbare Drucke geliefert, die wir ebenso wie die Karten per Hand dann noch in die sortierten Textblätter einsortieren mussten. Dabei musste das ganze Buch dann noch auf Druckfehler (leere Seiten) kontrolliert und banderoliert werden.

Das ganze Papiesammelsurium (650 kg) schleppten wir dann zum ingesamt dritten Mal aus unserer Wohnung wieder in den Keller und weiter zum Buchbinder, der dann als Schlussakt die Seiten zusammengeklebt hat. Wie viele Stunden Arbeit wir letztlich in das Buch investiert haben wissen wir nicht. Es ist wohl kaum zu zählen.

Aber: es ist ein tolles Hobby!

 

Ach, ich vergass. Vor dem Versand kleben wir dann noch die Bilderleisten in die Buchklappen ein und packen das Buch dann in Packpapier und einen Versandkarton, damit es auch wohlbehalten bei Euch ankommt. Lasst Euch überraschen.

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