Buchkritik der FAZ zu "Erfahrung Afrika"

Die FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) schreibt im

Reiseblatt vom 10. August 2000:

"Manche Reisebeschreibungen ersetzen glatt die Reise. Man liest und weiss: Dorthin muss ich nicht mehr fahren. So geht es einem mit dem Buch von Jolanda und Ingo Hoffmann, die zwei Jahre lang in Schwarzafrika unterwegs waren, mehr als achtzigtausend Kilometer, von Marokko durch die Länder im Westen des Kontinents, hinunter in den Süden, dann die Ostküste hinauf bis Uganda und noch einmal quer durch den Kontinent nach Namibia.

Den Weg der Schweizerin und des Deutschen in ihrem Geländewagen "Gustav" bestimmte weniger das Ziel, vielmehr seine Länge. Im Anhang ihres Buches mit "einundzwanzig kleinen Hinweisen", die sich als sinnvoll erweisen könnten für die Vorbereitung eigener Reisen abseits der touristischen Hauptstrecken, heisst es ganz am Ende: "Unlimitierte Zeit ist das wesentliche Element einer Reise. Sie ermöglicht einem, kurze Momente zu einer Ewigkeit auszudehnen." Dieser Satz ist kein schlechtes Motto für ihr Buch, das die Autoren im Eigenverlag herausgebracht haben - vorbei am "relativierenden Einerlei der etablierten Verlage", wie sie ein wenig kokett schreiben.

In der Tat macht einen die Ankündigung eines selbstverlegten Textes gewöhnlich eher misstrauisch, auf diesem unüberschaubaren Marktplatz gibt es doch allzuviel ausgestellt Betroffenes, stilistisch und dramaturgisch Unbeholfenes, man findet viel zuviel von dem, was man eigentlich gar nicht wissen will. Doch auch in dieser Hinsicht überrascht "Erfahrung Afrika". Eher betont schmucklose, gerade deshalb womöglich umso grotesker wirkende Beschreibungen der allgegenwärtigen Bürokratie unterwegs stehen im Gleichgewicht mit Erinnerungen an berührende Begegnungen; dazwischen gestreut sind immer wieder auch Zweifel der Autoren über den eigenen Antrieb - und wohin er sie führen mag. Es ist eine Schilderung, wie man sie von guten Freunden erwarten würde. Man muss Interesse gar nicht heucheln - je länger die Erzählung dauert, desto mehr zieht sie in Bann."

 

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