"Erfahrung Afrika"(10)

Das Buch vom

Zebrastreifen Verlag

Botswana

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Entgegen seinem westlichen und südlichen Nachbarn ist Botswana bis heute ein eher unbekanntes Reiseland. Dabei sorgt jedoch nicht ein Mangel an herausragenden Sehenswürdigkeiten für diesen Zustand. Denn wem sollte das Okavangodelta oder auch die Kalahari Wüste nicht bekannt sein? Vielmehr sorgt die Tourismuspolitik Botswanas für diesen Umstand. Die Politik des "low volume - high cost" Tourismus unterbindet das Interesse nahezu aller Budgetreisenden an diesem Land. Die Naturschätze Botswanas sollen den gutbetuchten 10 Tage Touristen vorbehalten sein. Wer dennoch auf eigene Faust Botswana zu ergründen sucht, muss neben horrenden Preisen auch ein ablehnendes Verhalten der Bevölkerung und eine besondere "Sorgfaltspflicht" der Staatsdiener in Kauf nehmen. Das Okanvangodelta aber rechtfertigt alle diese Unannehmlichkeiten. Das Delta ist unbestritten die grüne Schatzinsel im endlosen Ozean der Kalahari.

In Kasane campen wir direkt am Chobe River. Von hier aus wollen wir in den Chobe Nationalpark fahren. Eine mehrtägige Tour, wie in den Etosha Park, ist bei unserem Budget aber nicht möglich. Botswana verfolgt beim Tourismus die "low volume - high budget" Strategie. Das bedeutet: lieber weniger Touristen zu hohen Preisen als viele Billigtouristen. So verständlich diese Politik alleine aus der Überlegung des Naturschutzes ist, so fatal ist sie für Touristen mit weniger prall gefüllter Geldbörse. Für sie scheidet Botswana als Reiseland aus. Aber neben den hohen Preisen für touristische Leistungen (Ausländer zahlen für den Parkeintritt das 15fache des Preises, den die Einheimischen zu entrichten haben und Individualtouristen zahlen nochmals 60% mehr Eintritt als Teilnehmer organisierter Touren), stört uns in diesem Land ein anderer Eindruck:

1)

Dass man selbst in der Lodge versucht, uns über den Tisch zu ziehen und beim Wechsel von DM in Pula gerade mal 65% des von Banken ermittelten Gegenwertes auszahlen will, umlaufen wir noch mit dem Einsatz der Kreditkarte. Viel wesentlicher aber ist unser Gefühl, nicht willkommen zu sein. Die Menschen sind unfreundlich und abweisend. Teilweise führt das sogar dazu, dass man in der Warteschlange im Supermarkt bewusst übersehen wird, bis alle Einheimischen bedient sind. Auch das arrogante Auftreten der Strassenpolizei lässt uns zu dem Schluss gelangen, dass sich einige Botswaner gerne dieser Form des Revanchismus bedienen, um den (weissen) Ausländern zu zeigen, wer Herr im Haus ist. Dieses, vornehmlich gegen weisse Südafrikaner gerichtete Verhalten trifft uns als ausländische Autotouristen ohne Unterschied, denn wer versteht schon, woher wir kommen.

Ein unvergesslicher Moment: Sonnenuntergang am Chobe River

Nach der ersten Nacht im Camp beschliessen wir, ein kleines Motorboot zu chartern und die zwei Stunden vor dem Sonnenuntergang auf dem Fluss zu verbringen. So sehr wir bisher von Botswana enttäuscht sind, so sehr sind wir von der kurzen Bootsausfahrt begeistert, die uns ein unvergessliches "Wildlife" Erlebnis beschert und uns in einen stärkeren Bann schlägt, als die zwölf Tage in Etosha. Massgeblich an unserem Erlebnis ist Jameson beteiligt, unser Bootsführer. Der erfahrene Mann beweist die nötige Umsicht und versteht es, uns behutsam die schönsten Impressionen am Fluss zu vermitteln. Wir sehen grosse Nilpferdgruppen, die eng aneinander gepresst, träge am Ufer liegen und fahren bis auf Armlänge an ausgewachsene Krokodile heran, die uns mit ihren leblosen Augen als willkommene Mahlzeit betrachten. Noch bevor wir die neuen Eindrücke verarbeitet haben, mischen wir uns unter eine Herde Elefanten, die am Wasser. spielt und treiben anschliessend an einer gut tausend Tiere zählende Büffelherde vorbei.

Ausflug auf dem Chobe River

2)

Stets unterschätzt: die Wendigkeit und Agressivität der Nilpferde

Unvergesslich bleibt der Sonnenuntergang. Eine Elefantenherde nach der anderen rennt im Galopp vom Ufer weg, zurück in die Savanne. Der aufwirbelnde Staub bricht das fahle Licht der Abendsonne und bedeckt die ganze Szenerie mit einem magisch glänzenden, roten Tuch. Für diesen Moment müsste man die Zeit anhalten können. "Schöner kann Afrika nicht sein." Aber schon wenige Minuten später ist das Flussufer leer und wir befinden uns auf der Rückfahrt zum Camp.

 

Impressionen einer

unvergesslichen Bootsfahrt

auf dem Chobe River

Der Flug zum Oddballs-Camp im Okavango-Delta verläuft in der kleinen Cessna sehr unruhig. Knapp einhundert Meter über dem Boden wird die Maschine immer wieder von heftigen Turbulenzen geschüttelt. Mir bleibt beim Flug ausreichend Zeit, die wunderbare Landschaft unter uns zu studieren. Joly ist leider mehr mit ihrem Magen beschäftigt.

Lichtspiele im Wasser

3)

Der Wechsel von trockener Graslandschaft und den in der Mittagssonne glitzernden Flussverästelungen zeigt eine schier unendliche Vielfalt von Farben und Formen. Offene Savanne, die von den Spuren unzähliger Tierherden durchzogen ist, malerische Dörfer der Einheimischen, ausgetrocknete Wasserstellen und eine Anzahl Palmeninseln ziehen unter uns vorbei. Selbst die riesigen Baobabs erscheinen aus der Höhe als Winzlinge, die in ihren bizarren Schatten am Boden stehen. Hin und wieder sehen wir einzelne Elefanten, einige Antilopenherden und mit weiten Schritten davoneilende Giraffen. Mit einer ruppigen Landung auf der kleinen Erdpiste ist das grossartige Erlebnis für mich viel zu schnell vorbei. Für Joly endet der Flug gerade noch rechtzeitig.

Traditionelles Dorf aus der Vogelperspektive

Immer ein freundliches Lächeln auf den Lippen, wenn sich das Mittagessen nähert

Der jugendliche Camp-Manager überstellt uns am nächsten Morgen in die Obhut unseres Polers (Bootsführer) und gibt uns noch einige ausführliche Verhaltensregeln mit auf den Weg. "Macht, was Euch der Führer sagt. Wenn er sagt "Lauft", dann lauft. Wenn er sagt "Klettert", dann klettert." Das ist Afrika. Gut vorbereitet brechen wir in die Wildnis auf. Keke - so heisst unser Führer - ist mir zwar noch etwas zu jung für seine Aufgabe, aber wir vertrauen uns ihm an. Die Tour mit den traditionellen Einbäumen durch das seichte Wasser des Deltas hält die Erfahrung von Wildnis in einer anderen Dimension für uns bereit. Lautlos gleiten wir durch das Schilf. Das massige, grimmig blickende Krokodil hat nun unseren grössten Respekt und wir sind gar nicht mehr so wild darauf, Flusspferde zu sehen. Keke übrigens auch nicht, ihm ist die Erleichterung anzusehen, dass wir lieber einen Bogen um die Tiere machen wollen, die in Afrika die meisten tödlichen Wildunfälle verursachen. Heute schauen wir uns lieber Fische, Echsen, Schmetterlinge und Vögel an.

4)

Das Oddballs Camp ist keine der renommierten Lodgen, denn die könnten wir uns gar nicht leisten. Der Fünftage-Aufenthalt im "Abus Camp" kostet beispielsweise schlappe 5000 US-$ pro Nase. Auch wenn dort Vollpension und Safaris auf dem Rücken eines "Zirkuselefanten" durchgeführt werden, bleibt das ein happiger Preis. Zu unserem Glück gibt es im Delta zwei Budgetlodgen, an denen sich eigentlich alle Individual-touristen wiedertreffen. Diese Lodgen sind natürlich ein Dorn im Auge der hochpreisigen Tourismusindustrie. Denn wie will man dem eigenen, teuer bezahlenden Gast erklären, warum andere Touristen die gleiche, grossartige Landschaft sehen dürfen, aber nur einen Bruchteil des Geldes dafür bezahlen? Entsprechend wurde denn auch ein halbes Jahr nach unserem Besuch das Geschäft dieser beiden Billiganbieter stark beeinträchtigt, indem man ihnen die Beschäftigung der Hälfte ihrer insgesamt 76 lizenzierten (!) Bootsführer untersagte. Daraufhin stiegen die Übernachtungspreise um 100 %. Aber das letzte Wort ist dabei noch nicht gesprochen und irgendwann müssen die Billiganbieter vermutlich ganz aufgeben. Die EU steht der Tourismusindustrie in Maun übrigens mit einer Kommissarin als Beratung zur Seite. Schön, wenn man erfährt, dass aus eigenen Steuergeldern Programme finanziert werden, mit denen der normalverdienende Bürger aus diesem Tourismusbereich preislich ausgeschlossen werden soll.

Ein Prospekt zum staunen

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