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In
Kissidougou wollen wir ein Hotel suchen. Erst in der Stadt begreifen
wir, dass hier die Sammelstelle für Flüchtlinge aus dem vom
Bürgerkrieg zerstörten Sierra Leone liegt. Die Stadt
versinkt in Menschenmassen, die entlang der Hauptstrasse auf eine
bessere Zukunft hoffen. Daran hatten wir nicht gedacht. Wir wussten
natürlich, dass in Sierra Leone und im benachbarten Liberia
Bürgerkriege herrschen, aber wohin die
Flüchtlingsströme gegangen sind, darüber haben wir
uns keine Gedanken gemacht. Hier - zwischen das Elend der
Flüchtlinge - gehören Touristen nicht hin. "

Flüchtlingssiedlungen
an der Strasse
Also
möglichst schnell weiter zur Elfenbeinküste."
Anhalten können wir ohnehin nicht. "Weisse Menschen in
einem Auto haben immer etwas zu verteilen", lernen wir sehr
bald, als wir von einer Gruppe Menschen förmlich überrannt werden. |
3) |
Dass wir nicht dem
UNHCR oder dem Roten Kreuz angehören, versteht keiner. Wir sind
weiss, sitzen in einem Auto, dementsprechend sollen wir etwas
verteilen. Aber nicht nur die Hilfsorganisationen spenden kräftig
Nahrungsmittel, Bekleidung, Zelte, Baustoffe und weitere Hilfsgüter.
Wir beobachten den Vertreter eines Tabakproduzenten, der aus seinem
mit Werbung bemalten Wagen heraus Zigaretten selbst an die kleinsten
Kinder verteilt. "Deshalb werden wir nicht mehr nach "cadeaux",
sondern nach "cigarettes" gefragt!"
An
der Strasse nach Macenta reiht sich ein Flüchtlingsdorf an das
nächste. Das UNHCR ist in für uns bisher unvorstellbarer
Stärke vertreten: Autos, Lkw, Zelte, Krankenhäuser und
Versorgungseinrichtungen. Ein Heer von Mitarbeitern ist für die
Flüchtlinge da und organisiert deren (Über-)leben. Was uns
aber irritiert, sind die kleinen Dörfer der Einheimischen, die
zwischen den Flüchtlingscamps liegen. Dort gibt es keine Schulen
und keine Krankenhäuser. Das Wasser muss aus dem verschmutzten
Fluss geholt werden und die Strohhütten sind bei weitem nicht so
wetterfest, wie die mit den blauen UNHCR-Planen gedeckten
Steingebäude in den Flüchtlingslagern. Diese Plastikplanen
finden wir auch noch später immer wieder, weitab aller
Flüchtlingsströme. Sie sind eine begehrte Tauschware;
ebenso wie die Maisdosen aus den USA oder die Sardinen der EG, die es
in jedem Laden zu kaufen gibt. Trotz der dicken Aufschrift
"Hilfsgüter: Verkauf verboten." Mit diesen Waren lässt sich ein
glänzendes Geschäft betreiben. Das Flüchtlingselend ist "big business". |