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Wir
folgen der vorzüglichen Teerstrasse durch eine
abwechslungsreiche Landschaft bis nach Boma. Weiter nach Muanda
führt dann nur noch eine Piste, die uns herb daran erinnert, in
Zentralafrika zu sein. Die Buckelpiste zermürbt uns und wir
stellen bald fest, dass uns die Zeit wegläuft. Der Weg bis zur
Stadt ist auf dieser Piste heute nicht mehr zu schaffen. "Wir
müssen einen sicheren Übernachtungsplatz finden." Das
ist in dem ebenen und kaum von Bäumen bestandenen Landstreifen,
eingeklemmt zwischen dem Kongo im Norden und Angola im Süden,
gar nicht so einfach. Abseits der Strecke sehen wir eine Ansammlung
kleiner, einfacher Häuser. Wir halten in der Spur und warten
erst einmal die Reaktion der Dorfbevölkerung ab. Doch niemand
kommt
schreiend angerannt. Bald
erkennen wir, dass uns bereits eine Abordnung der Bewohner entgegenkommt.
Wir
grüssen freundlich und werden mit den Worten empfangen:
"Kommt näher, wir glauben alle an Jesus Christus." Die
Begrüssung ist so ausgesprochen herzlich, dass wir gar nicht
richtig dazu kommen, uns vorzustellen. Es kostet uns einige Mühe,
den gastfreundlichen Dorfbewohnern zu erklären, dass wir weder
Baptisten oder Methodisten noch Adventisten, sondern nur ganz
einfache Touristen sind.
Aber
auch nach unserer ausführlichen Erklärung beschleicht mich
weiterhin das Gefühl, dass uns unsere Gastgeber noch immer in
einen Topf mit den klerikalen Kreuzfahrern werfen.
Jedenfalls
sind wir gut aufgehoben. Drei Männer bestimmen das Leben in dem
kleinen, gerade mal elf Hütten umfassenden Dorf. Pater Frederik
ist die geistliche Führung der Dorfgemeinschaft. Er kam aus
Kinshasa, wo er Hilfsprediger war, um hier eine neue Gemeinschaft von
Christen zu gründen. Das ist ganz ernsthaft gemeint, denn in
allen Dörfern der Umgegend folgen die Menschen noch den
Einflüssen der schwarzen Magie. Gehen die Bewohner des
christlichen Dorfs in eines der Nachbardörfer, werden sie dort
von den Andersgläubigen nur mit kleinen Stöckchen
angeschubst. Sie anzufassen, traut sich keiner. John ist der Kopf des
Dorfes. Er ist der Denker und bereitet die Entscheidungen vor, die
dem Dorf Zusammenhalt geben und die kleine Gemeinschaft zum Erfolg
führen sollen. John kommt aus Angola. Dort hat er durch die
Explosion einer Landmine beide Beine verloren. Er sitzt im Rollstuhl,
aber seiner übergeordneten Stellung tut das keinen Abbruch. Jeon
komplettiert das Trio. Er ist der rechte Arm von John, sozusagen die Exekutive. |
5) |
Nachdem
wir uns alle kennen, pfeift Frederik die Kinder zurück, dass
wir in Ruhe unser Nachtessen bereiten und uns waschen können.
Für später erwartet man uns am Lagerfeuer.

Nachtlager
in einer Mission
Wir
schlafen gut behütet. Es ist eine herrliche Sommernacht. Um
halb fünf weckt uns Glockengeläut. Frederik schlägt
auf eine an einem Dreibein aufgehängte Lkw-Felge und ruft seine
Schäfchen zum Morgengebet. Wir schlafen wieder ein und werden
kurze Zeit später von Gebeten und Lobpreisungen erneut geweckt.
Bei den anschliessenden paradiesischen Gesängen entschlummern
wir wieder sanft. Die Dorfgemeinschaft ändert meine Einstellung
gegenüber den Kirchen etwas. Glauben ist durchaus in der Lage,
den Menschen einen Halt zu gewähren, an dem sie sich aufrichten
können. Dafür müssen sie aber zur Mündigkeit
erzogen werden und nicht zur Abhängigkeit und blindem Gefolge.
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