"Erfahrung Afrika"(13)

Das Buch vom

Zebrastreifen Verlag

Sambia / Malawi

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Zebrastreifen Verlag

Malawi, das warme Herz Afrikas, ist ein Höhepunkt jeder Afrikareise. Nicht nur wegen der abwechslungsreichen Natur oder dem atemberaubenden, horizontlosen Malawisee, der mit seinen 650 Kilometern Länge jede menschliche Vorstellungskraft sprengt, sondern insbesondere die Menschen prägen die Erinnerung der Reisenden. Die Offenheit und Lebensfreude der Menschen begeistern jeden, auch wenn nicht jede Begegnung uneingeschränkt positiv verläuft. Aber: selten fühlen wir uns Afrika näher als in Malawi. Das Nachbarland Sambia ist bis heute eines der ursprünglichsten Länder Afrikas geblieben. Geprägt durch eine mangelhafte Infrastruktur und weitverbreitet traditioneller Lebensweise, stellt Sambia den Reisenden vor erhebliche Probleme, bietet dafür aber Einsichten, die kaum ein anderes Land zu vermitteln mag. Eingeklemmt zwischen Zimbabwe im Süden und Malawi im Norden ist Sambia für uns aber leider nur Transitland.

Leberwurstbaum in Sambia

1)

Die Grenze nach Sambia stellt uns vor keine grösseren Probleme. Auf beiden Seiten des Zauns zeigen sich die Beamten sehr freizügig. Nur dem Versicherungsvertreter, bei dem wir die Haftpflichtversicherung für Sambia abschliessen, müssen wir gut zureden, dass auch wir nur den staatlich festgelegten Preis zahlen und ihm keine Extra-Provision gönnen.Kurz vor Lusaka kommen wir für die Nacht auf einem guten Camping unter. Von dort aus können wir kurz nach Sonnenaufgang unbemerkt durch die Stadt schleichen. Lusaka ist kein ungefährliches Pflaster. Wir gehen etwaigen Risiken soweit wie möglich aus dem Weg und tauschen unser Geld am Flughafen. Die Parkplätze vor den Banken der Innenstadt gleichen uns zu sehr einem Präsentierteller, an dem man sich nur zu bedienen braucht. Ausserhalb der Hauptstadt beginnen wieder die leidigen Polizeikontrollen. Die meisten passieren wir unbehelligt. Aber so mancher Staatsdiener kann sich die Frage nicht verkneifen: "Was, mein Freund, hast Du mir schönes mitgebracht?" Afrika hat uns seine Lektionen gelehrt und wir antworten zunehmend frecher: "Dir, mein Freund, haben wir ein Lächeln von daheim mitgebracht". Manchen gefällt die Antwort, anderen weniger, aber wir werden stets ungemolken weitergeschickt.

Bereits 100 km nördlich von Lusaka ist Sambia ein grünes Meer

Am Livingstonia Beach Hotel finden wir den besten Campingplatz im Land. Wir zelten auf dem Strand, nur wenige Meter von der Brandung entfernt. Aus dieser Perspektive erscheint der See als Ozean. Besonders bei schlechtem Wetter, wenn der stürmische Wind die Wellen an den Strand rollt und die Gischt bis in den Wald treibt, wähnen wir uns am offenen Meer. Das Wetter setzt uns langsam zu. Die Imprägnierung unseres Dachzeltes hat mittlerweile ihre Wirkung verloren, und der Baumwollstoff leitet das Regenwasser ungehindert zu uns durch.

2)

Abhilfe kann bei den widrigen Wetterverhältnissen nur noch eine Plastikplane leisten, die wir über das Dach spannen. Wir haben unser Hochbett jedoch so lieb gewonnen, dass uns auch die feuchte Schaumstoffmatte nicht dazu bewegen kann, wieder in das Bodenzelt zu steigen. Bei all der Tristesse geniessen wir aber auch einige Lichtblicke. Von der Hotelküche können wir das beste Brot seit Namibia beziehen. Schönes, frischgebackenes, duftendes Vollkornbrot. Hier am See hat unser Toaster einige Tage Pause, denn das sonst übliche, pappige, englische Weissbrot bringen wir nur noch geröstet herunter.

Gewitterwolken über dem Malawisee

Die Wetterverantwortlichen haben ein Einsehen mit uns und wir werden am nächsten Morgen von warmen Sonnenstrahlen und einem makellos blauen Himmel geweckt. Nach kurzer Fahrt stehen wir am Cape McLear. Im Dorf Chembe wollen wir einige Tage bleiben. Die Landschaft an dem Kap ist die wohl schönste am Malawi-See. Ein breiter Sandstrand führt vom Dorf über eine weit ausladende, sichelförmige Bucht bis zu der waldbestandenen Halbinsel. Dem Strand vorgelagert ist eine kleine Insel, zu der wir für die Tauchgänge herausfahren. Neben dem Blick in die Unterwasserwelt, haben wir ausreichend Zeit, uns im Dorf umzusehen und das Leben in der kleinen Gemeinschaft zu erfahren. Besonders wohl fühlen wir uns dabei zunächst leider nicht. Jede Nacht gibt es neue, unangenehme Vorfälle auf dem kleinen Campingplatz. Der alte Nachtwächter wird von Malariaanfällen geschüttelt und kann sich kaum auf den Beinen halten. Er verwaltet den Camping für seinen ältesten Sohn, der, wie wir von seinen Brüdern gesagt bekommen, derzeit in Blantyre ist. Später erfahren wir ergänzend, dass er für drei Jahre dort ist: auf Staatskosten. Er hatte Dollarblüten in Umlauf gebracht. Der alte Mann tut uns trotzdem leid, ist aber als Nachtwächter nicht zu gebrauchen. Zunächst wird ein Rucksack gestohlen, die nächste Nacht ein Zelt aufgeschlitzt und dann versucht jemand, unseren Wagen zu öffnen, was zum Glück misslingt. Die bestohlenen Rucksacktouristen, ein Paar aus Österreich, versuchen aus Monkey Bay die Polizei heranzuschaffen, da sie schon nach kurzer Untersuchung wissen, wer sie bestohlen hat. Die beiden Typen sind im Dorf hinlänglich bekannt, gehören aber zu einer einflussreichen Familie und stehen unter deren Schutz.

3)

Versöhnliche Morgenstimmung

Nachdem Norbert einen Teil seiner Sachen in der Hütte des einen Diebes findet, fährt er in die Stadt, die Polizei holen. Aber weder gutes Zureden, noch der Kauf von Bustickets für die Polizisten kann die "Ordnungshüter" dazu bewegen, in das Dorf zu kommen. Bei diesem Verhalten ist es kein Wunder, dass sich die Kleinkriminalität ungehindert ausbreitet. Der Dorfälteste würde zwar gerne für Recht und Ordnung sorgen. Ihm sind aber seit der Demokratisierung die Hände gebunden. Er muss die Bestrafung und Festsetzung der Diebe der Polizei überlassen. Resigniert zieht sich der alte Mann in seine Hütte zurück.

Neben den Problemen, mitten in einem Dorf zu wohnen, hat diese Lage aber auch deutliche Vorteile gegenüber den abgeschlossenen Campinganlagen der letzten Monate. Wir sind wieder näher an den Menschen, können am Strand die Fischer besuchen und staunen, mit welcher Akribie sie die gefangenen Fische auf grossen Bambustischen zum Trocknen auslegen. Einem fliegenden Fischschwarm gleich, sind Tausende der kleinen, glänzenden Schuppentiere akkurat über den Strand bis hinauf in das Dorf aufgereiht. Ausgetrocknet werden die "Kapenta" genannten Fische zerstampft. Unter Maismehl gemischt, ergeben sie die Hauptnahrung der Malawis. Während die Männer auf den See fahren, kümmern sich die Frauen um Haus und Hof.

Zwei der freundlichen Mädchen in Chembe

4)

Die kleinen Lehmhütten des Dorfes sind zumeist mit Bambusstäben eingezäunt. Der Erdboden auf dem Innenhof ist gefegt und sauber. Um die niedrige Kochstelle aus gebrannten Ziegeln finden sich russgeschwärzte, verbeulte Töpfe und Pfannen. Das benutzte Geschirr wird dem Nachwuchs mit zum Strand gegeben. Dort können die Kinder spielend den Abwasch erledigen. Mit den Töpfen wird der halbe Strand umgegraben und die Pfannen lassen sich herrlich als Spielzeugboote durch das Wasser ziehen. Zumindest spielen die Kinder hier noch und sitzen nicht, wie wir es an so vielen anderen Orten gesehen haben, dumpf in der Gegend herum. Sobald die Kleinkinder richtig laufen können, wird der Abwasch den jüngeren Geschwistern übertragen. Während die grösseren Mädchen in die Haus- oder Feldarbeit eingespannt werden und fast völlig aus dem Strassenbild verschwinden, haben die Buben nun Zeit, permanent um Geld oder Geschenke bettelnd, hinter den vereinzelten Touristen herzulaufen. Bei mir haben sie bald eingesehen, dass es nichts zu holen gibt. Joly hat deutlich mehr Schwierigkeiten, ihren Freiraum zu wahren. Die kleinen Nervensägen klammern sich bei ihrem täglichen Gang zum Markt an ihren Rock und versuchen, ihr das Geld aus den Händen zu zwingen. Im Alter von sieben oder acht Jahren beginnt für die Burschen schliesslich das Geschäftsleben. Auch sie sollen zum Unterhalt der Familie beitragen und verdingen sich als "Fremdenführer" oder preisen Souvenirs an. Dabei können sie leider ihr vorher erlerntes, aggressiv forderndes Verhalten Touristen gegenüber nicht mehr ablegen und verschrecken potentielle Kunden mehr, als dass sie Geschäfte anbahnen könnten. Da die nächste Schule in der 20 Kilometer entfernten Stadt liegt, ist die Quote der Schulgänger in Chembe extrem niedrig. Nur wenige Familien leisten sich den Bustransport für die Kinder in die Stadt. So ist nicht anzunehmen, dass sich an der Lage des Dorfes in absehbarer Zeit etwas ändert.

Das Mulanje Massiv

5)

Mulanje ist das Zentrum des malawischen Teeanbaus. Die Plantagen erstrecken sich mit ihren leuchtend grünen Anpflanzungen bis zum Horizont. Für einen kleinen Obolus dürfen wir im Golfklub zelten und die Einrichtungen des Clubhauses nutzen. In dem mächtigen Gebäude scheint die Zeit 1972 stehengeblieben zu sein. Der Schritt in das Haus ist ein Schritt in eine Vergangenheit, als das gesellschaftliche Zusammenleben noch aus Golfturnieren und Gartenparties, Tee und Bridge, Klatsch und Tratsch bestand. Heute zeugen nicht nur die verstaubten Pokale und offengebliebenen Ehrentafeln von den Veränderungen im Land. Auch die unterwürfige Haltung des Barmanns und des Gärtners stammt aus einer anderen Zeit. Das Verhalten der beiden alten Männer steht im grösstmöglichen Gegensatz zum eitlen und selbstgefälligen Getue der 18- bis 20jährigen Männer. Weiter können zwei Generationen nicht voneinander entfernt sein. Die Konflikte, die aus einem solch scharfen Umbruch erwachsen, können wir nur ansatzweise erahnen.

Gemüsehändler auf dem Markt von Sengabay

Der kleine Frischmarkt hingegen ist nach der Art des Angebots wohlgeordnet. Eingerahmt von einigen Lehmgebäuden, erstrecken sich die aus Ästen und Planen errichteten Verkaufsstände bis zu einer kleinen, mit löchrigem Wellblech abgedeckten Markthalle. Das Angebot reicht von Brot über Gemüse bis zu Batterien und Kleidung. Zumeist kaufen die Menschen mit ihren geringen Barschaften aber kleine Mengen Maismehl, Fisch oder Gemüse. Die stete Betriebsamkeit auf den Märkten bildet den Mittelpunkt des afrikanischen Lebens und unsere beste Möglichkeit, den Alltag der Menschen zu teilen. Bei unseren täglichen Einkäufen lassen wir uns bewusst Zeit, schlendern umher, sprechen mit den Marktleuten, diskutieren Angebote und Preise und suchen das Geheimnis des prachtvollen und farbenfrohen Treibens zu entschlüsseln. Mit den Augen eines Europäers lassen sich die Märkte nur als Sinnbild von Chaos und Unordnung deuten. Lösen wir uns aber von unseren heimischen Vorstellungen, erweist sich das Chaos als ungestümes Leben. Die Faszination und Kraft der Märkte liegt in ihrer Normenlosigkeit.

6)

Der Maisbrotbäcker

Niemand schreibt hier jemandem vor, wie ein Verkaufsstand auszusehen hat, welche Waren verkauft oder welche Regeln überhaupt eingehalten werden müssen. Auf jede Frage bekommt man eine individuelle Antwort, für jede Nachfrage findet sich ein passendes Angebot. Und sollte eine Ware nicht verfügbar sein, findet sich jemand, der weiss, wo sie zu beschaffen oder wie sie zu ersetzen ist. Die Faszination der Märkte, die uns in ihren Bann schlägt, liegt in der Unerschöpflichkeit von Ideen und Improvisationskunst. Und das zeigt sich nicht nur beim Warenangebot. So findet sich in Senga Bay nur eine einzige Waage. Wir bestaunen das antike Stück im Laden des Maismehlhändlers. Der Rest der Marktteilnehmer weiss sich anderweitig zu helfen. Fische, Gemüse und Brötchen werden abgezählt und oft zu kunstvollen Haufen zusammengelegt. Je nach Anzahl und Grösse wird dann der Preis für die Haufen einer Qualität festgelegt. Bei Schüttwaren wie Erbsen, Bohnen oder Reis wird die Menge der Ware mit allen erdenklichen Masseinheiten bestimmt. Alte Plastikbecher, offene Konservendosen, Schöpflöffel, Teller und Tassen kommen zum Einsatz. Augenmass und Durchsetzungsvermögen unterscheiden den lebendigen Markt von der Standardisierung europäischer Einkaufsstrassen, wo der Mensch als ein von der Statistik bestimmter Konsument seine Individualität schon lange verloren hat.

Von Horizont zu Horizont : der Malawisee

Die Strecke von Msuzu zur Livingstonia-Mission führt durch den landschaftlich schönsten Teil des Landes. Die Strasse steigt hoch in die Berge und bietet neben abwechslungsreicher Vegetation einmalig schöne Blicke auf den riesigen Malawi-See. Vom linken bis zum rechten Horizont erstreckt sich die im Sonnenlicht glitzernde Wasserfläche. An ihren Enden scheint sie nahtlos in den Himmel überzugehen. Nur neunzig Kilometer nach Osten, auf der gegenüberliegenden Seite des Sees, zeichnen sich im Dunst schwach die Berge Tanzanias ab. Sonst erschiene das Binnengewässer grenzenlos. Von der Livingstonia Mission, die in geographisch aussergewöhnlicher Position hoch über dem See thront, hatten wir uns aber etwas mehr versprochen. Die Aussicht auf den See ist aus der Höhe weniger beeindruckend als von der, auf halber Höhe gelegenen Strasse. Auch die Kälte ist nicht der eigentliche Grund, weswegen wir schon nach nur einer Nacht wieder am Seeufer zelten. Im Gästehaus auf dem Missionsgelände dienen wir als Open-Air-Kino. Jedenfalls vergnügen sich alle Jugendlichen der Gegend auf der Veranda oberhalb unseres Campingplatzes, gaffen und lachen, was wir da wohl machen. Wir haben nicht einmal bei Dunkelheit Ruhe. Das dreckige und verkommene Gästehaus instand zu halten, anstatt den ganzen Tag herumzulungern, kommt hier niemandem in den Sinn.

7)

Nachtwächter an der Livingstonia Mission

Der alte Mann, der mit Pfeil und Bogen auf Nachtwache kommt, zeigt uns eine völlig andere Seite Afrikas. Als er gedankenverloren am Lagerfeuer sitzt und mit seiner Setolo-Tolo eine traurige Melodie anstimmt, erscheint uns die Musik wie ein hilfloser Nachruf auf eine längst vergangene Zeit. Nachdem wir zu Bett gegangen sind, verlieren sich seine Laute in der rabenschwarzen Nacht. Das Afrika dieses alten Mannes ist bereits Geschichte.

Eine von unzähligen Kinderhorden

In Karonga verbringen wir unsere letzten Nächte in Malawi. Der Gemüsemarkt verschwindet in Karonga fast völlig hinter dem Gebraucht-kleidermarkt. Dieser Altkleiderhandel findet sich in fast jedem afrikanischen Dorf. Der schwarze Kontinent wird mit billigen, gebrauchten Kleidern aus Europa überschwemmt. Zu Hause kostenlos als Hilfsgut für die bedürftigen Menschen in Afrika gespendet, gelangen die Kleider über die Hilfsorganisationen an die Regierungen afrikanischer Länder. Diese verkaufen die Kleider an Grosshändler, die wiederum die Markthändler beliefern. Für zwei bis drei Mark gelangt auf diesem Weg eine Hose oder ein Hemd an den Endabnehmer. Was daheim grosszügig gedacht ist, verkommt in Afrika zu einem profitablen Geschäft, mit vernichtenden Nebeneffekten. Angesichts der billigen Ware geht die heimische Bekleidungsindustrie zugrunde. Bei solch niedrigen Preisen ist eine eigene Produktion, selbst bei den billigen Arbeitskräften, nicht möglich. Mindestens genauso schlimm ist, dass mit der fremdländischen Bekleidung wieder ein Stück eigener, afrikanischer Identität verloren geht.

8)

Während ich auf Joly warte, fällt mir ein kleiner Schuppen neben den Marktständen auf. Aus der mit Plastiktüten und blauen UNHCR-Planen verklebten Hütte dringen merkwürdige Geräusche. Schreie, Maschinengewehrsalven und Explosionen suchen aus überlasteten Lautsprechern den Weg nach draussen. In diesen billigen Videokinos werden für wenige Pfennige fünftklassige Hongkong-Reisser gezeigt. Das Publikum verfolgt begeistert wie sich die Darsteller reihenweise massakrieren. Das Resultat dieser Filme kann ich mir am Abend vor dem Campingplatz anschauen. Dort hat es die Kindermeute endlich geschafft, mich vom Zelt wegzulocken, nachdem sie den ganzen Tag am Maschendraht geklebt hatte und unentwegt "Mister! Mister!" gerufen hatten. Der Griff zur Kamera hat umgehend zur Folge, dass sich alle Kinder in "Kung Fu"-Pose werfen und grunzende Laute von sich geben.

Den wahren Fehler des Abends begehe ich aber, als ich herzerweicht doch die Luftballons verteile, die wir seit Deutschland mitschleppen und nach unseren Erfahrungen in Marokko ganz tief unten im Wagen verstaut hatten. "Jedem einen!" Aber mein "frommer" Wunsch bleibt ungehört. Alle Kinder, ob Mädchen oder Jungen drängeln erneut vor, auch wenn sie schon ein Geschenk erhalten haben. Ganz vorwitzig ist eine freche Göre, die den Luftballon scheinheilig in den Mund steckt, als ich ihre beiden leere Hände sehen will. Nachdem alle Ballons verteilt sind und jedes Kind mindestens einen Ballon bekommen hat, fängt die Prügelei an. Die Jungs verprügeln die Mädchen, die Grossen die Kleinen. Am Ende der Prügelei haben die beiden ältesten Burschen alle Ballons zusammen. Ihre überhebliche Freude ist nicht von langer Dauer. Ein Jugendlicher kommt des Weges, bedroht sie erst und schlägt sie dann zusammen, um daraufhin mit allen Luftballons von dannen zu ziehen. "Das war unser letzter Versuch." In Afrika bekommt man nichts geschenkt. "Gar nichts!"

 

Der grösste Fehler: Geschenke

 

 

 

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