"Erfahrung Afrika"(14)

Das Buch vom

Zebrastreifen Verlag

Zanzibar/Tanzania

Das Buch vom

Zebrastreifen Verlag

Zanzibar, die Gewürzinsel. Ein Märchen aus 1001 Nacht? Nicht ganz. Die prunkvollen Zeiten unter wechselhafter Kolonialherrschaft sind lange vorbei. Insbesondere die vierzig Jahre Sozialismus sind an der traumhaften Insel nicht spurlos vorbei gegangen. Dennoch, Zanzibar ist eine Reise wert. Wenn auch viele Gassen verfallen und die Blüte der Kultur überschritten ist, umschliesst Zanzibar den Reisenden mit einem unvergleichlichen Zauber, der den Glanz vergangener Zeiten ahnen lässt. Und wenn nicht in der Stonetown Zanzibars, dann spätestens an den grandiosen Strände der Nord- und Ostküste wird jeder Reisende den Bezug zur Zeit verlieren.

Piroge vor Zanzibar

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Mit einem Minibus fahren wir in das Zentrum von Dar es Salaam. Bald haben wir uns durch das Menschengewühl der Innenstadt bis zum Hafen vorgekämpft. An einem unscheinbaren Schalter bekommen wir die passenden Tickets für eine schnelle Überfahrt nach Zanzibar. Der breite Katamaran schaukelt uns in gut drei Stunden nach Zanzibar, wobei uns mal wieder so schlecht ist, dass wir uns nur noch mit Mühe beherrschen können. Der Schlepper im Hafen entledigen wir uns schnell und unfreundlich. Dann sind wir schon auf der Suche nach einem Hotelzimmer. Durch die schmalen und verfallenen Gassen der Altstadt führt der Weg in die Nähe des alten Palastes. Schon bald stehen wir vor dem Hotel Kiponda. Die letzten Meter folgt uns ein einheimischer Jugendlicher, der sich mit uns zusammen in die Rezeption quetscht. Hier gibt er vor, uns zum Hotel geführt zu haben und fordert vom Hotelier seine Entlohnung. Ich lache den Möchtegernfremdenführer aus und schicke ihn aus dem Raum. Nun haben wir kleine Schwierigkeiten mit dem Hotelmanager, der von uns einen zu hohen Zimmerpreis verlangt und entschuldigend vorbringt: "Ich muss dem Schlepper fünf Dollar pro Nacht und Nase zahlen, sonst bringen er und seine Freunde keine Gäste mehr." Die Dollar haben natürlich wir zu zahlen. Jetzt bin ich sauer und suche laut schimpfend nach dem Bengel. Der hat sein Unheil wohl schon hören kommen und ist, als ich am Eingang erscheine, um die nächste Ecke verschwunden.

Old Stonetown auf Zanzibar

Zanzibar ist nicht das zu Stein gewordene Abbild der Märchen aus "1001 Nacht". Dafür ist die alte "Stonetown" einfach zu verkommen und abgewirtschaftet. Aber noch heute verströmen die schattigen Gassen und alten Gebäude das Flair, welches den Betrachter von den märchenhaften, exotischen Schauplätzen träumen lässt. Ohne Zweifel ist die Altstadt von Zanzibar einen Besuch wert. Zweimal am Tag starten wir vom Hotel aus zu einem Rundgang durch die historische Altstadt, erkunden Gasse für Gasse, Haus für Haus. Der Verfall der Gebäude ist erschreckend, Moos und Schwamm haben sich in fast alle Gemäuer gefressen. Teilweise wachsen sogar kleine Büsche und Bäume aus der brüchigen Bausubstanz. Die Sonne reicht auch am Mittag nicht bis zum Boden der muffigen Gassen und der immer wieder einsetzende Regen steuert seinen Teil zum Verfall Zanzibars bei.

Wäscher im Hinterhof>

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 Weisser Sand, türkiesblaues Meer:

 Ein Traum !

Unser Hotel ist wunderbar auf einem Muschelfelsen gelegen und gibt uns von der Terrasse des Bungalows einen weiten Blick über das türkisfarben leuchtende Meer. Weit weg, kurz vor dem Horizont, sehen wir die Brandung am Riff. Über den ganzen Tag können wir das schwache Donnern der Wellen hören, die in der Entfernung brechen. Die Gezeiten verändern den flachen Strand erheblich. Bei Ebbe zieht sich das Wasser gut zwei Kilometer von der oberen Gezeitenlinie zurück.

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Beim eintönigen Abendessen im Hotel lerne ich Ahmed kennen. Seinem Vater gehört eines der Auslegerboote, die in der Bucht festgemacht sind. Wir vereinbaren für den nächsten Morgen eine Ausfahrt zum Riff, wo er fischen geht, und ich etwas schnorcheln kann. Das vielfältige Tierleben im indischen Ozean ist beeindruckend. Faszinierender für mich ist aber die pfeilschnelle Fahrt mit dem antiken Wassergefährt.

An dem Boot gibt es wohl keine Planke, die noch nicht ausgebessert, kein Tau, das noch nicht gerissen und kein Quadratmeter Segel, der noch nicht geflickt ist. Das schwere Dreieckssegel wird mit Hanfseilen über den wettergegerbten Mast gezogen. Das Tuch spannt sich im Wind und sorgt für Vortrieb. Ahmeds Vater steuert das Boot zielsicher am Wind. Nur selten berührt einer der beiden Ausleger das Wasser.

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Ahmed steht akrobatisch auf dem luvseitigen Ausleger und balanciert das Boot aus. Ein gewaltiger Anblick, wie die beiden Männer mit ihrem Dhow durch das Wasser kreuzen.


Tanzania, ein riesiges Land. Die horizontlose Massaisteppe stellt an jeden Reisenden besondere Anforderungen. Nicht die Distanzen, wohl aber der katastrophale Zustand der Pisten treiben jeden Fahrzeugführer an den Rand des Wahnsinns. Die unvergleichlichen Eindrücke der majestätischen Landschaften werden gnadenlos aus der Erinnerung geschüttelt. Serengeti und Ngorongoro sollten aber nicht nur der Pisten wegen besser organsiert bereist werden, auch sonst stellt Tanzania dem Individualreisenden nicht wenige Steine in den Weg.

Gnuherden in der Serengeti

Eigentlich sollten wir nach den letzten, hektischen Tagen eine Ruhepause einlegen, aber es reizt uns, weiter in die Serengeti zu fahren. Bei Morgengrauen sind wir schon wieder auf den Beinen und verlassen den Platz. Die kleine Piste bleibt in schlechtem Zustand. Bald endet das bewirtschaftete Land, und wir erreichen die Sabora Plains. Weitläufiges, gelbverdorrtes Grasland. Nur die vereinzelten Akazien geben der Savanne eine lebendigere Farbe. Ab und zu lassen sich Antilopen blicken. Vom nächsten Hügel haben wir eine gute Aussicht über die weite Ebene. Im Fernglas entpuppen sich die unzähligen, braunen Farbkleckse als Gnus. Wir fahren einige Kilometer weiter und finden uns in einer riesigen Gnuherde wieder. Von Horizont zu Horizont ziehen grosse Gruppen dieser friedlichen Tiere gemächlich über die Graslandschaft. "Sind es Tausende oder gar Zehntausende?"

 1)

und im Ngorongoro Krater

Unaufhaltsam bewegt sich der nicht enden wollende Verband in stetem Trott nach Norden. Ständig fressend, blökend und Ausschau haltend, folgen die Tiere instinktiv ihrem Lebenslauf. Wir sind völlig aufgeregt. "Das muss ein Teil der grossen Migration sein!" Wo wir auch hinschauen, wir sehen Gnus. Nun begleiten auch Zebras und andere Tiere die Gnuherden. Manche Gruppen stehen direkt an der Piste. Gemächlich rollen wir zwischen die Tiere. Fünfundzwanzig Kilometer lang begleiten uns die Stimmen und der Geruch der Antilopen. Anstatt diesen Moment des Glücks auszudehnen und zu verweilen erliegen wir der dummen Hoffnung, noch mehr Tiere im Park zu sehen und fahren bald weiter in die Serengeti. Die grosse Migration sehen wir nicht mehr wieder.

Panoramablick in den Ngorongoro Kater

Die fünfzig Kilometer lange Strecke bis zum Gate sind furchterregend zerfahren und wecken bei uns böse Erinnerungen an die Strecke durch den Chobe Park in Botswana. Neben der Konzentration auf die unmögliche Piste, bleibt mir keine Zeit, durch die Landschaft zu schauen. Zu sehen gibt es aber ohnehin nichts. Das Grasfeld bleibt leer. Wir erreichen zu früh den Parkausgang und nutzen die verbliebene Zeit zu einer kleinen Rundfahrt. Wir sehen einige Safariwagen, die um einen Busch postiert sind. Durch das Fernglas erkennen wir eine Löwin, die neben den Wagen liegt. Ihr aber scheint das Interesse nicht zu gelten. Die Objektive der Safarigäste sind auf den Busch gerichtet. "Vielleicht liegen die Jungen der Löwin in dem Busch?" Das denken sich wohl auch die anderen Fahrer, die nun in den Dornenstrauch hineinfahren, um das Geäst mit der Stossstange bei Seite zu drücken. Aber auch so lassen sich die kleinen Löwen nicht dazu bewegen, aus ihrem Versteck zu kommen. Der Löwin wird dieses Verhalten langsam zu dumm. Sie attackiert eines der Safarifahrzeuge. Die Touristen, geschützt von Blech und Glas, lachen nur scheel und warten weiterhin auf ihren "goldenen Schuss". Für solche Aktionen braucht man hier im Park anscheinend einen qualifizierten Führer. "Heia Safari!" Wir verlassen die Serengeti.

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Gustav auf Lauer

Endlose Ebenen in der Serengeti

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