|
|
Send
me to the Congo..." krächzte der neueste Genesis-Song aus
den Lautsprechern der alterschwachen Boeing 737, als wir zur Landung
auf dem Flughafen Entebbe ansetzten, der die Hauptstadt Ugandas,
Kampala, mit dem Rest der Welt verbindet und dessen Name in den
Köpfen deutscher Flugreisender nicht unbedingt angenehme
Assoziationen erzeugt. Wir sind auf dem Weg in eines der wenigen
Länder dieser Erde, das immer noch zu Recht den Ruf der
Unerschlossenheit und Unzugänglichkeit trägt und das nicht
zuletzt deswegen die Heimat unserer nächsten Verwandten im
Tierreich, der Berggorillas (Gorilla gorilla beringei), geblieben
ist. Die Demokratische Republik Kongo, vormals Zaire,
repräsentiert den Inbegriff des dunklen Herzens"
Afrikas und ist den meisten Menschen vor allem durch negative
Schlagzeilen ein Begriff. Ein gieriger Diktator, der das
rohstoffreiche Land jahrzehntelang abwirtschaftete, blutige
Bürgerkriege und heimtückische Seuchen setzten den Kongo
lange auf einen der ersten Plätze aller vorstellbaren, schwarzen
Listen und der Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes. |
|
Daher
ist es nicht verwunderlich, daß der Kongo, anders als die
benachbarten, ostafrikanischen Staaten Kenia und Tanzania, bisher ein
touristisches Niemandsland geblieben ist. Dabei beherbergt dieses
Land phantastische, wenn auch schwer zugängliche
Naturschönheiten, Nationalparks von Weltruf, eine einzigartige
Tierwelt und nahezu ausgelöschte Völker, wie den
Pygmäen-Stamm der Twa. Allein die Reise in und durch dieses Land
stellt ein Abenteuer an sich dar und ist durch die politischen
Verhältnisse nur selten möglich und fast immer mit einem schwer zu
kalkulierenden Risiko verbunden. Außerdem erfordert eine solche
Reise, vor allem seit den Zerstörungen des Bürgerkrieges, eine stete
Bereitschaft zur Improvisation und ein hohes Maß an Unabhängigkeit,
da die uns geläufigen und selbstverständlichen Standards, wie
halbwegs passierbare Verkehrswege, eine gewisse staatliche
Organisation, Post oder zumindest einfache Formen von
Telekommunikation hier nirgends, nicht einmal in Städten,
existieren. Ein bekannter, englischsprachiger Reiseführer sagt dazu
lakonisch: "Forget about all that.
You might as well be on the moon...". |
|
Glücklicherweise
liegen die interessantesten Gegenden dieses riesigen Landes vor
allem im östlichen Teil, der durch die angrenzenden Länder
Uganda, Ruanda und Burundi relativ gut zugänglich ist. Leider
sind auch die letzteren beiden seit einigen Jahren durch politische
Unruhen für Reisende gesperrt, so daß derzeit nur noch
Uganda als Eintrittspforte in den östlichen Kongo genutzt werden
kann. Dieser Landesteil unterscheidet sich deutlich vom Rest des
Kongo und dem tiefliegenden, malariaverseuchten Kongobecken. Er ist
geprägt von den schneebedeckten Gipfeln des Ruwenzori-Gebirges,
von aktiven und ruhenden Vulkanen, deren höchster der Karisimbi
(4507m) ist, und scheinbar bodenlos tiefen Seen. Dank eines fast
mediterranen Klimas mit reichlich Niederschlag erfreut sich das Land
einer großen Fruchtbarkeit und ungezügelten Vegetation.
Hauptziel der wenigen Touristen, die in den letzten beiden
Jahrzehnten den Weg in dieses vergessene Land gefunden haben, waren
und sind die letzten Berggorillas, die hier zuhause sind. Vor allem
die Hollywood-Verfilmung der Autobiographie "Gorillas im
Nebel" der amerikanischen Gorillaforscherin Dian Fossey hat
einen touristischen Schub ausgelöst, bevor der Sturz des
Diktators Mobutu und der vorangegangene Bürgerkrieg dem erneut
ein jähes und blutiges Ende setzte. Aber auch in den Jahren des
touristischen "Booms", sofern man überhaupt von einem
solchen sprechen kann, blieb der Kongo ein exotisches Reiseziel, in
das sich nur wenige wagten. Insbesondere eine vollständige
Durchquerung des Landes blieb und bleibt nur wenigen, zähen Overlandern und Transafrika-Reisenden vorbehalten. |
|
Auch
derzeit ist eine Reise in das Landesinnere mangels Visaerteilung
noch nicht möglich und aus Sicherheitsgründen auch absolut
nicht empfehlenswert. Ein Trek zu den im Grenzgebiet lebenden
Berggorillas ist jedoch von Uganda aus seit kurzem wieder möglich
und bei Beachtung einiger Regeln auch relativ ungefährlich.
Schon bei der Anreise durch Uganda wird dem Besucher zu jeder Zeit
augenfällig, daß er sich in unmittelbarer Nähe eines
der großen Krisengebiete dieser Erde bewegt. So stellt die
Straße von Kabale zum Grenzort Kisoro einen der
Hauptverbindungswege internationaler Hilfstransporte nach Kigali und
Goma und in die kongolesische Krisenregion Kivu dar. Dementsprechend
sind die weißen Jeeps und Lastwagen der UN und diverser
humanitärer Organisationen die am häufigsten anzutreffenden
Fahrzeuge. Das Fahren auf den schmalen, vom Regen unterspülten
und mit knietiefem Schlamm bedeckten Serpentinen stellt
allerhöchste Anforderungen an das Können der Fahrer und die
Nerven der Mitreisenden. Abgestürzte und anschließend
sofort geplünderte Lastwagen der Hilfskonvois zeigen, daß
nicht jedem das Glück auf dieser Strecke hold war. Besondere
Bewunderung verdienen die afrikanischen Fahrer mit ihren uralten
Mercedes- und Fiat-Lastern, die diese Strecke völlig
überladen und mit bis auf die Karkasse abgefahrenen Reifen
bewältigen. Die landwitschaftlich intensiv genutze und
terrassenförmig angelegte Gebirgslandschaft erinnert dabei
ausgesprochen an das Kathmandu-Tal in Nepal, und wie dort ist die
Bewirtschaftung der Felder für die Menschen mit härtester
körperlicher Arbeit verbunden. |
|
Da,
wie schon erwähnt, eine offizielle Einreise in den Kongo
für Touristen zur Zeit nicht möglich ist, ist nach dem
Erreichen der Grenze eine Menge Geduld, ein örtlicher
Vermittler, Verhandlungsgeschick und ein Bündel kleiner
Dollarscheine erforderlich. Mit etwas Glück kann dann ein
inoffizielles Tagesvisum ausgehandelt werden, das es einem
ermöglicht, von der Grenzstation aus in einem Tag zu den
Gorillas zu trekken und am selben Tag nach Uganda zurückzukehren.
Dies ist mit Unterstützung rühriger Kleinunternehmer, die
an der Grenze schon auf Gorilla-Trekker warten, auch
durchführbar. Auf eine Übernachtung im kongolesischen
Grenzgebiet ist ohnehin niemand besonders erpicht. Schon hier an der
Grenze wird durch die professionelle Vermarktung der "Ware
Gorilla" schnell klar, daß in den besseren Tagen Zaires
das Gorilla-Trekking eine wohlorganisierte und für einige sehr
einträgliche Industrie war, die jetzt ihre vorsichtige
Wiederauferstehung feiert. Daß dies nicht zum Schaden der
jetzigen Betreiber des Geschäftes gereicht, konnte man unschwer
an den Statussymbolen dieser erfolgreichen afrikanischen
Geschäftsleute erkennen, wie den nagelneuen Nappalederjacken,
Ray-Bans und Nike-Sportschuhen, mit denen sich diese doch ziemlich
deutlich von dem in Lumpen gehüllten Rest der Bevölkerung
unterschieden. Auf die Frage unseres Mittelsmannes, wo denn seine
kongolesischen Geschäftspartner aus der Zeit vor dem Umsturz
abgeblieben seien, meinte der Grenzbeamte nur lapidar, die seien
abgelöst" worden und machte dabei eine horizontale
Bewegung mit der Handkante über seine Kehle... |
|
Um
das geplante Mamutprogramm innerhalb eines Tages absolvieren zu
können, mußte die Grenze Uganda - Kongo lange vor dem
Morgengrauen überschritten werden. Dieses gestaltete sich wie in
einem schlechten Spionagefilm. Auf dem Grenzstreifen bei Bunagana
wird die Staatsmacht des Kongo durch eine von Palmen umringte und mit
Einschußlöchern übersäte Baracke repräsentiert, auf deren
Veranda eine Horde in Tarnanzüge gehüllter Soldaten unter lautem
Scharchen schlief. Wir tasteten uns vorsichtig zum Eingang der
Baracke vor, ohne dabei auf eine Kalaschnikow zu treten, wo uns der
verschlafene Wachhabende schon erwartete und zwecks Überprüfung der
Personalien mit einer Taschenlampe mitten in die Gesichter
leuchtete. Die Pässe wurden mit dem Einreisestempel "Republique du Zaire" versehen, bei
dem das Wort "Zaire" wegschnitzt worden war und durch ein
handschriftliches "Congo" ersetzt wurde. Der nur mit einem
Trenchcoat und Gummistiefeln bekleidete Grenzbeamte versuchte durch
betont harsches Auftreten seine Autorität und die Bedeutung
dieses hoheitlichen Aktes zu unterstreichen. Daß zwei Meter
neben seinem Schreibtisch einer seiner nunmehr erwachten Kämpfer
im hohen Bogen sein Wasser von der Veranda herunter abschlug,
störte die Zeremonie in seinen Augen jedoch nicht.
Anschließend ging es in wilder Fahrt auf der Pritsche eines
Peugeot Pick-Ups durch die Nacht in den Virunga-Nationalpark, in dem
30 Jahre zuvor Dian Fossey ihre aufsehenerregenden Studien
durchgeführt hatte. Der Virunga-Nationalpark, der bereits 1925
gegründet wurde, umfaßt ein etwa 8000 Quadratkilometer
großes Schutzgebiet, das sich von Goma am Kivu-See bis fast zum
Lake Albert (bis vor kurzem Lake Mobutu genannt) erstreckt. Er
berührt dabei das Territorium der drei Länder Uganda, Kongo
und Ruanda. |
|
Sobald
das aufkommende Tageslicht die Sicht freigab, wurden die krassen
Unterschiede zu dem nach unseren Vorstellungen auch nicht als
wohlhabend zu bezeichnenden Uganda offensichtlich. Die Armut der
Menschen ist erschreckend. Technik, und sei es nur in Form eines
Fahrrades oder einer Petroleumlampe, ist hier ein völliges
Fremdwort. Das einzige Transportmittel sind eine Art
überdimensionale, mit Holzrädern versehene Tretroller, die
über nicht einmal mehr als Pisten zu bezeichnende
"Straßen" holpern. Beim Anblick der am
Straßenrand liegenden Eingeborenen-Siedlungen, deren
fensterlose Hütten aus Elefantengras bestehen und aus deren
Eingängen der Rauch der Lagerfeuer quillt, fühlt man sich
buchstäblich in Joseph Conrads Heart of Darkness versetzt. Nach
einer knappen Stunde Fahrt erreichten wir Djomba, eine Ranger-Station
des Virunga-Nationalparks am Fuße der Vulkane Muside (3000 m)
und Sabynyo (3634 m). Nach einem ca. halbstündigen Aufstieg
über Felder und Bergwiesen erreichten wir eine Schutzhütte,
an der uns bereits ein Park-Ranger sowie Fährtensucher und eine
bewaffnete Eskorte erwartete. Der Ranger erklärte uns in gutem
Französisch und rudimentärem Englisch, daß die
Eskorte unserem Schutz dienen sollte, da auf den schmalen
Trampelpfaden jederzeit ein Zusammentreffen mit Büffeln oder
Waldelefanten auf kürzeste Distanz zu befürchten sei. Uns
drängte sich allerdings eine andere Erklärung auf, da wir
uns nur wenige Kilometer Luftlinie von der Grenze zum
bürgerkriegsgeschüttelten Ruanda entfernt befanden. Nach
dem erneuten Austausch von einigen Dollarnoten konnte der insgesamt
etwa neunstündige Trek zu den Berggorillas beginnen.
Die
Gorillas, die erst im Jahre 1902 von dem Hauptmann der deutschen
Kolonialtruppen Oskar von Beringer im Zuge einer Jagdsafari entdeckt
worden waren, leben in stabilen sozialen Einheiten von
durchschnittlich zehn Tieren aller Altersgrup-pen, die von einem sog.
Silberrücken angeführt werden. Silberrücken sind
geschlechtsreife, über 15 Jahre alte Männchen, die bis zu
einer Vierteltonne schwer werden können. |
|
Seltener
werden diese Gruppen auch von noch jüngeren Männchen
angeführt, den sog. Schwarzrücken. Diese Gruppen bewegen
sich in einem sehr großen Territorium, das sie systematisch
durchstreifen und als reine Pflanzenfresser nach ihren bevorzugten
Nahrungspflanzen absuchen. Daher ist es trotz der Größe
des in Frage kommenden Gebietes und der enorm dichten Vegetation
relativ einfach für die Fährtensucher, die Gorillas
aufzuspüren, da diese jeden Tag nur eine geringe Distanz
fressend zurücklegen. Sehr anstrengend wird das Trekking durch
das rauhe Klima in dem immerhin an die 3000 m hoch gelegenen Gebiet
und den fast undurchdringlichen Regenwald, der ein permanentes
Freischlagen des Weges mit Macheten und teilweise die Fortbewegung
auf allen Vieren notwendig macht. Mächtige Kosobäume, die
über und über mit Orchideen bewachsen sind und von deren
Ästen meterlange Flechtenbärte herabhängen, stehen
dicht an dicht und geben die Sicht selten weiter als für einige
Meter frei. Stundenlanger Dauerregen (die jährliche
Niederschlagsmenge beträgt hier 1800 mm) und Nebel machen
außerdem das Photographieren zu einem Glücksspiel.
Während wir in der ersten halben Stunde unseres Marsches noch
versuchten, durch Hüpfen von einem Grasbüschel oder
Wurzelstock zum nächsten wenigstens den tiefsten Pfützen
auszuweichen, verwandelte sich der Dschungelpfad allmählich in
einen Bach. Da somit jeder Widerstand zwecklos war, ergaben wir uns
in unser Schicksal und wateten schließlich bis zu knietief
durch Wasser und Morast. Irgendwie tröstete es uns, daß
unsere Führer, die im landestypischen Schuhwerk, dem
Gummistiefel, angetreten waren, genauso nasse Füße hatten
wie wir, da diese ebenso zuverlässig von oben gefüllt
wurden, wie unsere Trekkingstiefel von unten. Und dennoch trieben uns
die Führer an, denn das Tageslicht ist bemessen unter dem
Blätterdach des Regenwaldes. Wir versuchten auch wahrhaftig
dranzubleiben, denn Panik wallte sofort in uns auf, verloren wir den
Vordermann für einige Sekunden aus den Augen. Hier möchte
niemand allein zurückbleiben. |
|
Nachdem
wir uns auf diese Weise etwa vier Stunden fortbewegt hatten, wurde
uns von den Fährtensuchern signalisiert, daß die Gorillas
in der Nähe seien, worauf frische Kotspuren hinwiesen. Der
Ranger nahm uns unsere Macheten ab, um sicherzugehen, daß im
Falle eines Angriffs der Gorillas kein panischer Tourist diese als
Waffe gegen die letzten Devisenbringer des Landes einsetzen
würde. Dann näherten wir uns vorsichtig an. Man hatte uns
vorher angewiesen, hektische Bewegungen zu vermeiden und den Gorillas
nicht direkt in die Augen zu blicken, was diese als Provokation
empfinden. Im Falle eines Angriffs sei es ratsam, auf keinen Fall
davonzulaufen sondern sich auf den Boden fallen zu lassen und durch
diese Demutsgeste den Zorn der Gorillas zu besänftigen. Obwohl
Gorillas friedfertige Wesen sind, sind sie Dank ihrer immensen
Größe und Kraft und ihres mächtigen Gebisses in Lage,
Menschen lebensgefährliche Verletzungen beizubringen. Diese
Übergriffe sind jedoch extrem selten und wurden stets durch
provokantes Verhalten der Menschen ausgelöst, die z.B. der
Versuchung nicht widerstehen konnten, Gorillas, die sich mitunter bis
auf Armlänge annähern, zu berühren.
Urplötzlich
standen wir mitten in einer ca. 8-10 Tiere starken Gruppe. Dieses
unerwartete Zusammentreffen erschreckte nicht nur uns, sondern auch
die Gorillas, die einige Meter unter Ausstoßen grimmiger
Drohungen in das Dickicht zurückwichen und uns dann
mißtrauisch musterten. Das Gefühl, nach einer Reise um die
halbe Welt und einigen Strapazen plötzlich Auge in Auge und auf
eine Distanz von unter 2 m seinen engsten, tierischen Verwandten
gegenüberzustehen, ist einfach unbeschreiblich. |
|
Die
Gorillas, die Kontakte mit Menschen bereits erlebt haben, sind zwar
äußerst scheu und zurückhaltend, doch andererseits
auch unwahrscheinlich neugierig. Dadurch werden zwischen Mensch und
Tier regelrecht Blicke ausgetauscht, die, wenn sie von demütigen
Gesten begleitet sind, auch nicht zu Aggressionen führen. Nicht
selten werden Menschen sogar, meist von Jungtieren, angefaßt
und begutachtet. Um keine Unklarheiten über die
Machtverhältnisse aufkommen zu lassen, richtete sich der
Anführer, ein riesiger Schwarzrücken, zu seiner vollen
Größe auf und trommelte mit den Fäusten auf seine
muskelbepackte Brust, was uns gehörigen Respekt
einflößte. Da seine Drohung damit ihre gewünschte
Wirkung erzielt hatte, ließ er sich bequem ins Gras sinken und
betrachtete uns nachdenklich, das Kinn auf den Ellenbogen
aufgestützt. Leider durften wir uns nur eine gute halbe Stunde
in der Gruppe aufhalten, da dies zum Schutz der Tiere so
vorgeschrieben ist, und da wir noch einen sehr weiten und
beschwerlichen Rückweg vor uns hatten. Dabei mußten uns
unsere Begleiter regelrecht wegzerren, da man sich einfach nicht
losreißen kann von den ausdrucksvollen Gesichtern, den
interessierten Blicken und dem urkomischen, weil so menschlichen
Verhalten der Primaten. Ich glaube es ist nicht übertrieben zu
behaupten, daß jeder, dem ein solches Zusammentreffen
vergönnt ist, dieses zu den Schlüsselmomenten in seinem
Leben zählen wird, die ihm unvergessen bleiben. |
|
Leider
sind die Gorillas heute durch Krieg, Wilderei und Zerstörung
ihres Lebensraumes mehr gefährdet als je zuvor. Der
Populationsdruck der Menschen, die für ihre ständig
wachsende Zahl immer mehr des fruchtbaren Lebensraumes der
Virunga-Berge beanspruchen, lastet schwer auf den Gorillas, die sich
in immer höhere und für sie ungeeignetere Lebensräume
zurückziehen müssen. Ebenso fordert die Wilderei durch
hungrige Flüchtlinge aus Ruanda einen hohen Blutzoll. In ihren
Schlingen, die zum Fang von anderem Wild gestellt werden, verfangen
sich oft die Gorillas und sterben einen qualvollen Tod oder erleiden
schlimme Verstümmelungen. Dies konnten wir mit eigenen Augen
sehen, da einer der Gorillas einen Unterarm durch die Falle eines
Wilderers verloren hatte. Die Einheimischen, soweit sie nicht im
Gorilla-Business" sind, teilen unsere westliche,
romantisch-verklärte Ansicht über die Gorillas nicht.
Für sie sind diese nicht die Könige des Regenwaldes, unser
Spiegelbild im Tierreich, sondern Konkurrenten um Nahrung und
Lebensraum, ja Verdrängungsfeinde in der Evolution. Wer ihre
bittere Armut gesehen hat, kann ihnen diese Haltung nicht verdenken.
Die Liebe zur Schöpfung setzt einen vollen Bauch voraus. |
|
Wie
es langfristig mit den Berggorillas im Virunga-Nationalpark
weitergehen wird, ist völlig offen. Wie erwähnt, gehört
dieser Park zu drei Ländern, in denen Völkermord im
großen Stil seit langem an der Tagesordnung ist. So ist es
nicht verwunderlich, daß dort dem Schicksal einiger hundert
Primaten kein großes Gewicht beigemessen wird. Das Einzige was
sie wirksam und auf Dauer schützen kann, ist die Aussicht, durch
sie Touristen-Dollars in das Land zu holen. Vor dem Ausbrechen des
Bürgerkrieges waren die Gorillas für den kleinen Staat
Ruanda immerhin die drittgrößte Einnahmequelle. Trotz
aller internationalen Bemühungen ist die Gesamtpopulation der
Berggorillas heute auf etwa 600 Tiere zusammengeschrumpft.
Als
wir zu der Schutzhütte, die übrigens von der zoologischen
Gesellschaft Frankfurt errichtet und während des jüngsten
Krieges völlig ausgeplündert worden war, zurückgekehrt
waren, lernten wir einen weiteren Wildhüter kennen. Zu unserer
Verblüffung verfügte er in diesem Land, das dem Mittelalter
näher als der Neuzeit ist, über ein großformatiges
Satellitenphoto des Parks, auf dem jeder Gorilla mit GPS-Koordinaten
an seinem letzten, dokumentierten Standort eingezeichnet war. Auf
unser Erstaunen ob dieses technischen Standards meinte er nur:
Unser neuer Präsident weiß ganz genau, wie er sich in
Europa und Amerika beliebt machen kann. Wenn er gut zu den Gorillas
ist, und für Ihre Erhaltung viel Geld ausgibt, ist er für
eure Medien ein guter Präsident. Was er mit uns Menschen hier
macht, danach kräht doch kein Hahn...". |
|