Erfahrung Afrika"(16)

Das Buch vom

Zebrastreifen Verlag

Uganda

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Wie Ruanda und Burundi ist auch Uganda eine Perle Ostafrikas. Aber ähnlich seinen kleineren Nachbarn leidet auch Uganda noch heute unter den Nachwehen der Kolonialzeit. Willkürlich gezogene Grenzen quer durch Stammesgebiet und schon von den Kolonialherren geförderter Nepotismus führten in nicht enden wollende Bürgerkriege. Von dem Genozid Ruandas blieb Uganda zwar verschont, aber noch heute lasten die Schatten des eigenen, langen Bürgerkriegs auf dem Land. Der Norden Ugandas, der Kibale Forest und auch das Ruwenzori sind Schauplatz heftiger Gefechte mit "Rebellen" (plündernden Mordbanden). So müssen wir uns in dem Land, das so viele Naturschätze zu bieten hat, auf den Süden beschränken. Hier leben die letzten Berggorillas Afrikas. Ein Ziel, das jede Reise lohnt !

Raften auf dem Nil

Bei Jinja erreichen wir die Quellen des Nil. Der Fluss liegt malerisch eingebettet in der fruchtbaren Landschaft. Beiderseits des breiten Stromes bedecken Wälder, Äcker und Plantagen die sanften Hügel. Wir campen oberhalb einiger eindrucksvoller Stromschnellen und versuchen, den Dreck hinter uns zu vergessen. Bei Anbruch der Nacht erhebt sich ein einzigartiges Schauspiel aus den umliegenden Wäldern. Tausende riesiger Fledermäuse (flying foxes) starten zu ihrem Beuteflug in die Nacht. Der am Horizont aufgehende Vollmond taucht das Bild in eine gespenstisch kalte Atmosphäre. Dracula lässt grüssen. Neben den landschaftlichen Attraktionen bietet der Oberlauf des Nil aber auch die gute Möglichkeit zum River Rafting. Die Stromschnellen sind bei weitem nicht so schwierig wie die des Zambezi.

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Damit bleibt uns viel Zeit, das Leben der Menschen in ihren reizvollen, kleinen Dörfern und ihre Arbeit auf den Bananenplantagen zu beobachten. Oft stehen Kinder und Frauen am Ufer, winken und rufen oder waschen ihre Wäsche. Das Wasser hat Badetemperatur und wir nutzen die Zeit in den ruhigen Flussabschnitten zum Schwimmen. Weit vom Schlauchboot sollte man sich dabei aber nicht entfernen. Ob es in diesen Flussabschnitten wirklich keine Krokodile und Nilpferde mehr gibt, mag keiner unserer Führer ausdrücklich bestätigen. Leider endet die Fahrt gegen Mittag viel zu früh. Die Idee, sechstausend Kilometer weiter über diesen Fluss in das Mittelmeer zu gelangen, fasziniert uns gewaltig. Leider lässt die politische Realität solche Träumereien nicht realisieren.

Abendstimmung am Oberlauf des Nil

Die Strecke entlang des Lake Victoria ist monoton und uninteressant. Zumeist zeigt sich die Landschaft intensiv bewirtschaftet und abgerodet. Erst kurz vor Kabale, als die Strasse in die Berge aufsteigt, lohnt sich der Blick aus dem Seitenfenster wieder. Wir wollen in den Bwindi Forest. Der ist zwar eigentlich für Gorillatrecking recht unbekannt, beheimatet aber die grösste Population von Berggorillas. Mehr als die Hälfte der verbliebenen 650 Primaten lebt in diesem Park. An einem Polizeiposten, kurz hinter Kabale, gabelt sich die Strasse und wir folgen einer Piste, die zum Hauptquartier des Parks weist. Schmal und eng windet sich der kleine Weg an Berghängen entlang, durchschneidet hin und wieder einige Waldreste, führt ansonsten aber an endlos vielen Feldern und Bananenplantagen vorbei. Wir passieren ein Dorf nach dem anderen. Erstmals erscheint uns ein Land in Afrika überbevölkert zu sein. Dörfer liegen auf jedem Berghang, in jedem Tal. Der Wald ist gerodet und auch an den steilsten Hängen werden Felder bestellt. Nur selten haben sich die Bauern aber die Mühe gemacht, die Berghänge zu terrassieren. Die Nutzungsdauer der erdrutschgefährdeten Felder ist auf einige Regenzeiten begrenzt, dann ist die Humusschicht abgewaschen. Hat die Erosion das ungeschützte Feld zerstört, wird der nächste Wald gefällt, um Ersatz zu schaffen. Hier und da steht noch ein einzelner Baum, aber in ihrer Gesamtheit ist die Vegetation verwüstet. Dafür, dass wir direkt unter dem Äquator sind, erscheint uns die ganze Gegend bereits jetzt zu trocken zu sein. Auf der betonharten Piste wirbelt mit jedem Luftstoss weisser Staub auf und überdeckt Fahrzeuge und Umland wie Puderzucker.

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 Mangobaum am Lake Nabugabo

Kaum ein Kilometer vergeht, ohne dass wir Menschen auf der Piste treffen. Woher die Leute alle stammen, ist ungewiss. Wer will die Menschen hier trennen, ob sie aus Uganda, Ruanda oder dem Zaire stammen. Je nach politischer Situation flüchten die Menschen über die Grenzen in dem Dreiländereck. Wir durchqueren eine letzte, riesige Bananenplantage und fahren dann in ein enges Tal ein. Sauber, wie mit dem Rasiermesser vom Umland abgetrennt, erhebt sich der Urwald wieder von den Berghängen. Wir erreichen den Bwindi Forest .

Unberührter Primärwald im Bwindi Impenetrable Forest

Bevor wir unser Glück richtig fassen können, stolpern wir auch schon in den Wald und verlassen die ausgetretenen Pfade. Die beiden agilen Fährtensucher eilen voraus, und wir folgen dem Treckführer in der Spur der Gorillagruppe durch das Dickicht. Auf nassem Boden und behindert von umgebrochenem Gehölz kommen wir nur mühsam vorwärts. Die Fährte führt einen steilen Hang hinauf und schneller als erwartet können wir die Tiere wahrnehmen. Der Führer weist auf die übel riechenden Exkremente. "Sie dampfen noch". Die Gorillagruppe muss ganz in der Nähe sein. Sie auch zu sehen, ist in dieser verwirrenden Vegetation und bei dem

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diffusen Licht, das durch das Blätterdach dringt, nicht einfach. Dabei haben wir die Tiere bereits gefunden. Keine drei Meter über uns befindet sich das erste Tier. Ein junges Weibchen, das mit einem kurzen, kehligen Laut unser Eindringen publik macht. Nun kommt Leben in das Unterholz. Blätter werden beiseite geschoben, Äste gebrochen. Ein Wirbelwind scheint durch das Unterholz auf uns zuzukommen. Aus dem Gebüsch vor uns bricht der Silverback und startet einen Scheinangriff auf unseren Treckführer. Das alles geht so schnell und überraschend, dass wir vor Schreck fast rückwärts den Berg hinunter fallen.

Mühsam können wir uns auf den Beinen halten. "Bloss nicht umfallen", trichterte uns der Führer schon den ganzen Morgen ein. Liegt man auf dem Boden, ist die Reaktion des Gorillas unberechenbar. Das mächtige Tier bremst wenige Schritte vor uns und beäugt uns Eindringlinge missmutig. Die Begrüssung endet mit einem beeindruckenden Trommeln auf der Gorillabrust. "Wir haben verstanden, wer hier Herr im Wald ist." Das ängstliche Weibchen rutscht nun wie bei der Feuerwehr am Stamm herab und verschwindet ebenfalls im Unterholz. Behutsam dringen wir etwas weiter in den Wald vor und haben nach und nach Gelegenheit, fast die vollständige Gruppe zu sehen. Vor allem faszinieren uns die verspielten Jungtiere, die sich kaum anders verhalten als kleine Kinder. Ob bei ihren ersten, scheiternden Versuchen, Äste hinaufzuklettern oder dem Schaukeln in den Armen ihrer Mütter, das Verhalten der Tiere erscheint uns zutiefst menschlich. Wir sind

keine Beobachter, wir sind zu Gast bei dieser Familie. Tief berührt uns der direkte Augenkontakt mit den Gorillas. Der Blick in ihre braunen, gutmütigen Augen ist wie ein Blick in die eigene Evolutionsgeschichte. "Was sehen wir?" Den Affen im Menschen oder den Menschen im Affen? Was uns aber noch stärker beschäftigt, sind die Gedanken der Tiere, die uns ebenso studieren, wie wir sie. "Was denkt der Affe, wenn er uns in die Augen sieht?" Leider merken wir mit zunehmender Dauer unseres Besuchs, dass wir die Tiere stören und sie sich immer weiter ins Unterholz zurückziehen. Wir sind froh und traurig zugleich, als wir uns nach einer Stunde Besuch wieder auf den Rückweg machen. Die kurze Zeit bei den Berggorillas ist wahrlich ein Höhepunkt für jede Reise. Auch für unsere. Vom Bwindi Forest aus beginnt unser langer Weg zurück nach Hause.

Weitere sensationelle Gorilla - Bilder von unseren Freunden Andra und Oli aufgenommen !

Hochinteressanter und informativer Bericht von Dr. Heinrich Hofmann über Gorillatrecking im ehemaligen Zaire

Gerne würden wir mehr von Uganda sehen als den Bwindi Nationalpark. Aber während wir auf unsere Tour gewartet haben, reissen die Gespenster der Vergangenheit das, bei unserer Ankunft friedliche Land aus seinen Träumen heraus. Sowohl im Ruwezori als auch im Queen Elisabeth Park und dem Kibale Forest finden heftige Kämpfe zwischen "Rebellen" (bewaffnete Banditen, die unter einem ideologischen Deckmäntelchen alle erreichbaren Dörfer plündern) und Regierungssoldaten statt. Besonders schwer sind die Auseinandersetzungen in Bundibugyo. Wir wollen nicht riskieren, zwischen die Fronten zu geraten und beschliessen, unseren Besuch abzubrechen. Von einem Reiseleiter erfahren wir zwar, dass es "im Ruwenzori eigentlich ruhig ist und man nur in der Nacht von den Hügeln Schüsse hört", aber wir wollen uns nicht mehr bewusst in Gefahr begeben. Das Glück, das uns bisher auf der Reise hold war, muss nicht über Gebühr strapaziert werden. Wir fahren zurück nach Kampala.

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