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Mit der
Unerbittlichkeit einer klassichen Tragödie treibt das
südafrikanische Land Simbabwe dem Abgrund zu. Letzte Woche sind
21 sogenannte kommerzielle Farmer, weisse Bauern, unter
fadenscheinigen Gründen ins Gefängnis geworfen worden, wo
sie seither einem Verfahren zum Aufruhr entgegenblicken. Man
müsste allein schon dieser Farce mit Empörung
entgegentreten, denn die Umstände der Verhaftung der Farmer
spotten jeder rechtsstaatlichen Norm. Aber daran hat man sich im
Falle Simbabwes ja schon längs gewöhnt: Das recht, welches
sich eben auch auf die weissen Simbabwer beziehen müsste, wird
in diesem Land schon seit Jahren mit Füssen getreten. Ob die
Opfer letztlich Weisse sind oder Schwarze, die dem Regime des
Präsidenten Mugabe wie auch immer kritisch gesinnt sind, spielt
eigentlich gar keine Rolle mehr. Dass nun ein afrikanisches Land mehr
in den Schatten einer Despotie eintaucht, könnte man mit
resignierendem Schulterzucken als einigermassen irrelevant abtun.
Aber in
Simbabwe geht es um mehr. Das Land, einst als rassistisches weisses
Südrhodesien von der Staatenwelt gemieden, wurde 1980
unabhängig und durfte zu Recht als Modellfall für den
Übergang von einer illegitimen Minderheitsherrschaft zu einem
demokratischen Staatswesen betrachtet werden. Damit wurde ihm auch
eine Vorreiterrolle für die beiden anderen "weissen"
Länder der Region zugewiesen, nämlich Namibia und
Südafrika, die beide noch tief in die Strukturen der Apartheid
verstrickt waren. Wenn das Experiment Simbabwe gelänge, so
glaubte man damals hoffnungsvoll, würde sich auch der noch
unendlich schwierigere Fall Südafrika lösen lassen.
Letzteres
gelang 14 Jahre später, und auch Namibia hat die
Unabhängigkeit erlangt. In Simbabwe freilich lief die Sache
schon bald schief. Die Regierung Robert Mugabes, eines scheinbaren
Pragmatikers, entpuppte sich immer mehr als reine
Machterhaltungs-Clique, die gegen jegliche Form von Dissens mit
brutaler Repression einschritt. Wo Kompetenz dringend nötig
gewesen wäre, dominierten immer mehr Konspiration und
Korruption. Während zum Beispiel - um auf die Farmer
zurückzukommen - das gross angekündigte Umsiedlungsprogramm
für schwarze Kleinfarmer vor allem an der Unfähigkeit
staatlicher Stellen scheiterte, schanzten sich die Machthaber
gekaufte oder enteignete "weisse" Farmen zu Spottpreisen
zu. Die Fälle von Betrug und Vetternwirtschaft wurden nur noch
übertroffen von jenen blanken Versagens. Vernunft, auch im
ökonomischen Sinne, wurde immer mehr verdrängt von
ideologisch motivierter Starrheit und nackter Machtgier. Die Folgen
sind katastrophal.
Zwar stimmt
es, dass Simbabwe 1980 schwer an den Hypotheken der rassistischen
Vorzeit trug. Aber es hatte beste Startchancen, und auf allen Seiten
herrschte viel guter Wille. Mit geradezu unglaublichem Leichtsinn und
fast schon nerotischer Verblendung ist dieses Kapital von Mugabe
mittlerweile verspielt worden. Und weil das Regime keinen anderen
Ausweg aus der selbstverschuldeten Misere mehr sieht, geht es jetzt
eben den letzten verfügbaren Sündenböcken an den
Kragen, den weissen farmern. Seit längerem werden diese von
regierungstreuen Schlägerbanden terrorisiert. Viele Höfe
sind mittlerweile nicht mehr in Betrieb, werden blockiert, das Land
wird besetzt. Immer öfter wird das Maschinenmaterial
zerstört, werden Farmer verhaftet und schwarze Angestellte
vertrieben. Das ganze firmiert unter dem unsäglichen Titel "Umverteilung".
Was dies
heisst, ist vielleicht noch nicht allen klar. Die Farmer hatten rund
30 Prozent der ohnehin schwindenden Exporterlöse erwirtschaftet.
Sie waren das letzte wirklich zukunftsfähige Wirtschaftssegment
Simbabwes. In diesen Wochen hätten die Saaten ausgebracht werden
sollen. Sie sind es bis heute nicht, und die Prognosen der
Wirtschaftsverbände sind alarmierend: Wenn nicht jetzt
ausgesät werden kann, wird es zum Zusammenbruch der Produktion
kommen. Hungerrevolten gab es zwar schon zuvor in Simbabwe. Sie
wurden unterdrückt. Diesmal freilich könnte es zu einer
verbreiteten Hungersnot kommen - in einer der besten
Landwirtschaftsregionen der Welt.
Das ist das
Werk Robert Mugabes. Es scheint, als wolle dieser seine krude Maxime,
die Weissen hätten auf dem Land nichts mehr zu suchen, als
letzte Karte eines verlorenen Spiels einsetzen. Daran wird man ihn
kaum hindern können. Simbabwe ist bereits kaputtgemacht worden.
Aber man täte gut daran, jene Töne aufmerksam zur Kenntniss
zu nehmen, die nun auch schon in den Nachbarländern Namibia und
Südafrika vereinzelt zu hören sind und die ebenfalls die
Enteignung weissen Besitzes als Allheilmittel postulieren. Was das
hiesse, lässt sich am Beispiel von Simbabwe leicht
nachzuvollziehen. Nur wäre der Schaden unendlich viel grösser. |