Kommentar der Neuen Züricher Zeitung

vom 15. August 2001 zur aktuellen Situation in Simbabwe

Ein Land wird kaputtgemacht

Mit der Unerbittlichkeit einer klassichen Tragödie treibt das südafrikanische Land Simbabwe dem Abgrund zu. Letzte Woche sind 21 sogenannte kommerzielle Farmer, weisse Bauern, unter fadenscheinigen Gründen ins Gefängnis geworfen worden, wo sie seither einem Verfahren zum Aufruhr entgegenblicken. Man müsste allein schon dieser Farce mit Empörung entgegentreten, denn die Umstände der Verhaftung der Farmer spotten jeder rechtsstaatlichen Norm. Aber daran hat man sich im Falle Simbabwes ja schon längs gewöhnt: Das recht, welches sich eben auch auf die weissen Simbabwer beziehen müsste, wird in diesem Land schon seit Jahren mit Füssen getreten. Ob die Opfer letztlich Weisse sind oder Schwarze, die dem Regime des Präsidenten Mugabe wie auch immer kritisch gesinnt sind, spielt eigentlich gar keine Rolle mehr. Dass nun ein afrikanisches Land mehr in den Schatten einer Despotie eintaucht, könnte man mit resignierendem Schulterzucken als einigermassen irrelevant abtun.

Aber in Simbabwe geht es um mehr. Das Land, einst als rassistisches weisses Südrhodesien von der Staatenwelt gemieden, wurde 1980 unabhängig und durfte zu Recht als Modellfall für den Übergang von einer illegitimen Minderheitsherrschaft zu einem demokratischen Staatswesen betrachtet werden. Damit wurde ihm auch eine Vorreiterrolle für die beiden anderen "weissen" Länder der Region zugewiesen, nämlich Namibia und Südafrika, die beide noch tief in die Strukturen der Apartheid verstrickt waren. Wenn das Experiment Simbabwe gelänge, so glaubte man damals hoffnungsvoll, würde sich auch der noch unendlich schwierigere Fall Südafrika lösen lassen.

Letzteres gelang 14 Jahre später, und auch Namibia hat die Unabhängigkeit erlangt. In Simbabwe freilich lief die Sache schon bald schief. Die Regierung Robert Mugabes, eines scheinbaren Pragmatikers, entpuppte sich immer mehr als reine Machterhaltungs-Clique, die gegen jegliche Form von Dissens mit brutaler Repression einschritt. Wo Kompetenz dringend nötig gewesen wäre, dominierten immer mehr Konspiration und Korruption. Während zum Beispiel - um auf die Farmer zurückzukommen - das gross angekündigte Umsiedlungsprogramm für schwarze Kleinfarmer vor allem an der Unfähigkeit staatlicher Stellen scheiterte, schanzten sich die Machthaber gekaufte oder enteignete "weisse" Farmen zu Spottpreisen zu. Die Fälle von Betrug und Vetternwirtschaft wurden nur noch übertroffen von jenen blanken Versagens. Vernunft, auch im ökonomischen Sinne, wurde immer mehr verdrängt von ideologisch motivierter Starrheit und nackter Machtgier. Die Folgen sind katastrophal.

Zwar stimmt es, dass Simbabwe 1980 schwer an den Hypotheken der rassistischen Vorzeit trug. Aber es hatte beste Startchancen, und auf allen Seiten herrschte viel guter Wille. Mit geradezu unglaublichem Leichtsinn und fast schon nerotischer Verblendung ist dieses Kapital von Mugabe mittlerweile verspielt worden. Und weil das Regime keinen anderen Ausweg aus der selbstverschuldeten Misere mehr sieht, geht es jetzt eben den letzten verfügbaren Sündenböcken an den Kragen, den weissen farmern. Seit längerem werden diese von regierungstreuen Schlägerbanden terrorisiert. Viele Höfe sind mittlerweile nicht mehr in Betrieb, werden blockiert, das Land wird besetzt. Immer öfter wird das Maschinenmaterial zerstört, werden Farmer verhaftet und schwarze Angestellte vertrieben. Das ganze firmiert unter dem unsäglichen Titel "Umverteilung".

Was dies heisst, ist vielleicht noch nicht allen klar. Die Farmer hatten rund 30 Prozent der ohnehin schwindenden Exporterlöse erwirtschaftet. Sie waren das letzte wirklich zukunftsfähige Wirtschaftssegment Simbabwes. In diesen Wochen hätten die Saaten ausgebracht werden sollen. Sie sind es bis heute nicht, und die Prognosen der Wirtschaftsverbände sind alarmierend: Wenn nicht jetzt ausgesät werden kann, wird es zum Zusammenbruch der Produktion kommen. Hungerrevolten gab es zwar schon zuvor in Simbabwe. Sie wurden unterdrückt. Diesmal freilich könnte es zu einer verbreiteten Hungersnot kommen - in einer der besten Landwirtschaftsregionen der Welt.

Das ist das Werk Robert Mugabes. Es scheint, als wolle dieser seine krude Maxime, die Weissen hätten auf dem Land nichts mehr zu suchen, als letzte Karte eines verlorenen Spiels einsetzen. Daran wird man ihn kaum hindern können. Simbabwe ist bereits kaputtgemacht worden. Aber man täte gut daran, jene Töne aufmerksam zur Kenntniss zu nehmen, die nun auch schon in den Nachbarländern Namibia und Südafrika vereinzelt zu hören sind und die ebenfalls die Enteignung weissen Besitzes als Allheilmittel postulieren. Was das hiesse, lässt sich am Beispiel von Simbabwe leicht nachzuvollziehen. Nur wäre der Schaden unendlich viel grösser.

Der Kommentar des NZZ Autoren "de." spricht mir aus tiefstem Herzen. Eigentlich soll unsere Homepage eine Reiseseite sein. Der Reisende in Afrika, der mit offenem Auge unterwegs ist, wird die politischen Realitäten aber nicht ignorieren können. Es tut uns so unendlich leid, dass dieses, für uns schönste Land Afrikas einen solchen Weg gehen muss. Und das, obwohl sich die Entwicklung schon bei unserem Besuch 1996 deutlich abzeichnete. Die Blindheit und Feigheit der politischen Vertreter in aller Welt, lässt in uns die Ohnmacht aufkommen, dass ein Wandel zum bessern in Afrika politisch gar nicht gewollt ist. Der Vorteil Europas und Amerikas ist mit in den Problemen Afrikas begründet. Oder wer kann sonst erklären, warum die Staatengemeinschaft dem neronischen Umtrieben (eine wunderbare Beschreibung, danke an den Autor) des Robert Mugabe kein Ende setzt.

Das musste mal raus.

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