Norwegen 2000

Öresundbrücke

Joly & "Zebastian"

Värnern-See

Briefkästenparade

Nach der Transafrikareise zieht uns die erste Fahrt im neuen Gefährt in den hohen Norden. Da Bett, Tisch und Kochmöglichkeit nun unter einem Dach zusammengefasst sind, lassen wir uns auch von düsteren Wetterprognosen nicht abhalten und starten von Luzern nahezu auf der Ideallinie nach Norden. Begleitet von der Hoffnung, dass die kleine Standheizung uns vor zu herben Temperaturen schon schützen wird.

Auch vor dem Weg nach Norden macht der Fortschritt nicht halt. Musste man bis anhin ein Fährschiff bemühen, um nach Skandinavien zu gelangen, bringt ein neues Wunderwerk der Technik (und der Finanzierung) den Reisenden trockenen Fusses von Dänemark nach Schweden. Die Brücke über den Öresund ist die längste Schrägseilbrücke der Welt und soll sich aus den Mautgebühren der nächsten 50 Jahre bezahlen.

1)

Joly hatte Norwegen noch nie besucht und mich reizte ein erneuter Besuch des Fjordlandes. Des für mich reizvollsten Teils Norwegens. Praktisch gedacht verbinden wir die Reise mit einer ausgiebigen Prüfung des neu aufgebauten Hubdaches und insbesondere seiner Wasserdichtheit.

Kaum nach Schweden eingereist, präsentiert sich das Wetter aber von seiner lieblichsten, mittsommernächtlichen Seite. Sonne, Wärme und ein lauer Wind, der die Mücken beschäftigt begleiten uns in den ersten Tagen. Nach der schnellen Anreise über Autobahnen und Schnellstrassen wollen wir erst einmal das Tempo aus dem Urlaub nehmen und verbringen einen schönen Wandertag am Värnern-See. Kunstvolle Briefkastensammlungen und gediegene Holzhäuser regen in der weitläufigen Landschaft unsere Fantasie in Gang: "hier könnten wir es auch aushalten."

Nordisches Traumhaus

Kolifjell

Rentiere im Sommergewand

Idyll im Regen

Doch die nur "kurze" Reisezeit von kaum 4 Wochen drängt uns vorwärts. Wir wollen auf gerader Linie der norwegisch-schwedischen Grenze nach Norden folgen und erst kurz vor Trondheim nach Norwegen überwechseln. Mit den Kilometern wird die Landschaft herber und der Boden beginnt sich zu erheben. Hier wandelt sich der - uns mittlerweile begleitende - Dauerregen in lebhaften Schneefall und lässt uns an dem Sinn eines Sommerurlaubs in Norwegen heftig zweifeln.

2)

Auf dem Kolifjell, das immerhin 1200 Höhenmeter ausweist, erleben wir den ersten Nachtfrost und freuen uns am Morgen über die Vorzüge der Umluftstandheizung. Ein lascher Knopfdruck und 10 Minuten später können wir uns bei angenehmen 18° aus den Schlafsäcken pellen. Frühstück auf dem Balkon enffällt heute aber. Schneeregen geht erneut nieder und ausser zum Einkauf in einem ausgezeichneten Shopping Zentrum in Oppdal werden wir den Wagen nicht verlassen.

Blütenträume

Nebel und Schnee

Eikesfjord

Langfjord

Die kleine Schotterstrasse, die um das Eikesfjord herumführt gefällt uns ausserordentlich gut. Immer höher schraubt sich der Weg und führt uns bald in die dichten Wolken, sodass wir kaum noch etwas sehen können. Wir beginnen, ernsthaft zu zweifeln, dass dies der Monat July sein soll. Es ist zwar ganztags hell, den Himmel freilich sehen wir nicht.

3)

Nach einer kalten Nacht präsentiert sich das Wetter mit engelsgleicher Unschuldsmine. Die Luft ist klar und frisch. Der Nebel hat sich gelegt und gibt den Blick frei auf herrlichstes Panoramen. Wir können uns an der grandiosen Landschaft kaum satt sehen und erfreuen uns der gestochen scharfen Spiegelungen im Meereswasser der Fjorde.

Trollstigveien

Geirangerfford

Kühlschrankatmosphäre

Pferde auf Runde

Im Fjordland, wo die Berge nahezu senkrecht aus dem Wasser ragen, gab es für Lasten seit alters her nur die Möglichkeit des Schifftransports auf dem Wasserweg. Strassen über die Berge sind selten. Wenn aber doch ein Pass gequert wird, dann in atemberaubenden Serpentinen wie am Trollstigveien.

4)

Auch das Geirangerfjord verwöhnt uns mit sommerlichem Wetter. So bleiben die Klagen der Einheimischen über 5 Wochen Dauerregen für uns nur hörensagen. Über die Schnee- und Eisflächen des Jostedalsbreen (Ski und Rodel gut) ziehen wir ans Meer zur Insel Runde.

Vogelkolonie

Papageientaucher

Vestkap

Voldafjord

Mit Gummistiefeln, Regenschrim und -überzug machen wir uns auf Runde zu Fuss auf, die weltberühmten Vogelkolonien zu besuchen. Im dichten Nebel ist zunächst eigentlich gar nichts zu sehen. Wäre da nicht dieser Geruch und gewaltiges Gekreisch in der Luft, würde man die Anwesenheit meherer zehntausend Vogelpaare nicht vermuten. Wir bleiben, bis das Wetter aufklart mit nahezu hautnahen Kontakten des Federvolks belohnt. Insbesondere die behäbigen und ungelenken

5)

Landeversuche der rund 30.000 Papageientaucher halten uns zwei Tage gefesselt. Nicht weniger spektakulär erhebt sich einige Tage später das Westkap aus dem Atlantik. Bei bester Sicht liegt eine wilde und zerklüftete Küste zu unseren Füssen. Kein Vergleich mit dem Nordkap. Hier ist es zweifelsohne schöner. Und die Touristemstörme ziehen desinteressiert auf dem verheissungsvollen Weg nach Norden achtlos vorbei. Aber eines Tages werden auch hier dutzende Busse und tausende klickende Fotoapparate dem Kap seine Natur rauben.

600 Meter bis zum Wasser

Rostlaube

Laerdal

Stabkirche

Genau genommen befinden wir uns bereits wieder auf dem Rückweg. Aber wen stört das. Hauptsache wir sind unterwegs. Wir verkürzen ein wenig die Tagesetappen, laufen etwas die Fjorde entlang, spienzen ein wenig in des Nachbars Garten und erfreuen uns eines herrlichen Urlaubs. (so lange es trocken ist). Als die Sonne untergegangen ist (also so gegen 23 Uhr) hören wir vom Fjord her die Atemgeräusche der Tümmler. Kann es schöner sein?

6)

In Laerdal wollen wir ein wenig das zu kurz gekommene Kulturprogramm aufpolieren. Die Stabkirche lädt uns zu einem Besuch ein. Der aber kostenpflichtig ist (sfr 12 pro Nase). Während wir noch überlegen und ein paar Fotos machen kommen drei Busse. Randvoll mit lärmenden Kreuzfahrern mutiert das eben noch friedliche Gotteshaus zum lärmenden Tollhaus. Wir ziehen weiter.

der hundertste Wasserfall

Kreuzfahrer

mal wieder Schnee

500 Meter tiefer: Sommer

In einem grossen Bogen umfahren wir den Jostedalsbreen, machen Abstecher zur Küste und kreuzen entlang des Sognefjords, dem grössten Fjord Skandinaviens. Obwohl das Wetter sich von seiner freundlichen Seite zeigt,

7)

liegt auf den Höhenzügen der Berge noch reichlich Schnee. Kein Wunder, ist Norwegen doch ein Land europäischer Superlativen. Auch der grösste Gletscher Europas findet sich hier: der Jostedalsbreen.

Gletscherzunge

Wand aus Eis

Wild zerklüftetes Eis

"Antike" Tankstelle

Am nördlichen Ende des Jostedals liegt einer der Zugänge zum Gletschergebiet. Der Nigardsbreen ist eine Gletscherzunge, die vom Hauptgletscher bis weit in das Tal hineinreicht. Malerisch von einem Gletschersee umrahmt, ruht das rauhe Eis auf dem glattgeschliffenen Fels.

8)

Wasser sprudelt und Gurgelt aus allen Ecken und der Blick in das Gletschertor verlockt zu riskanten Ausflügen. Die Sonne bricht sich im Eis und zaubert Blautöne in das gefrorene Wasser, die mit der Kamera kaum einzufangen sind.

Morgenzauber

Voringfossen

Kirschernte

Latefossen

Durch wildromantische Landschaften suchen wir (gezwungener massen) den Weg zurück nach Süden. Die Strecke bietet viel Abwechselung. Ob weitläufige Nadelwälder, spektakuläre Wasserfälle oder liebliche Kirschgärten am Sörfjord: hier bietet das Fjordland alles, was der Skandinavienreisende sucht. Der Latefossen ist allein seiner Dimensionen wegen schon einen Besuch wert. In grossen Gischwolken, die Bäume und Wald weit übersteigen, stürzt die schäumdende Gischt zu Tal.

9)

Höhepunkt unserer kleinen Reise ist aber der Prekestolen, eine majestätische Felskanzel, die über dem idyllischen Lysefjord thront. Der fast quadratische Grantquader ragt nahezu 600 Meter senkrecht aus dem Wasser. Auch wenn der 3 Stunden Aufstieg etwas beschwerlich ist und mit Mücken garniert wird. Der Ausblick der sich von hier bietet, ist atemberaubend. Mutigen sei der Blick über den Felsrand empfohlen. Ohne Sicherung oder Zaun sollte man das aber besser im liegen machen.

 

Prekestolen

 

< kleines Reisekompendium >

 

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