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Algerien 2001 |
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Vier Jahre nach unserer letzten Afrikareise zieht es uns immer unwiderstehlicher zurück auf den Schwarzen Kontinent. Ein grosser weisser Fleck lässt unsere Gedanken nicht ruhen. Konnten wir auch noch so viel von Afrika sehen, ohne die Sahara hat man Afrika nur halb gesehen. Da Joly und ich unverändert in Lohn und Brot stehen, bleiben uns aber nur die üblichen vier Wochen Urlaub. Zumindest für einen kleinen Abstecher in die grosse Wüste sollte das jedoch langen. Ziel unserer Reise soll Südalgerien sein. Nachdem Libyen die Visaanforderungen für Individualreisende erneut kompliziert hat, wenden wir uns Algerien zu. Eine Destination, die bei fast allen unseren Freunden und Kollegen (selbst denen mit Afrika Erfahrung) ziemliches Kopfschütteln und Fassungslosigkeit hervorruft. Finden sich doch seit Jahr und Tag in der heimischen Presse mit erschreckender Regelmässigkeit Horrormeldungen über Greueltaten und Morde islamischer Terroristen in dem nordafrikanischen Land. Seit 1991 befinden sich Teile des Landes (nahezu ausschliesslich die Küstenregion) in einem bürgerkriegsähnlichen Zustand, der 100.000 Menschen das Leben gekostet hat. "Und da wollt Ihr Urlaub machen?" Informationen anderer Saharafahrer, insbesondere derer, die bereits seit Jahren wieder Algerien bereisen, ermuntern uns dann doch, das Reisziel beizubehalten. Die grobe Richtung heisst Tamanrasset und - wenn die Zeit es erlaubt - auch Djanet. Der Gedanke, dass Algerien ein riesiges Land ist (7x grösser als Deutschland) und in den Wüstenregionen in den 10 Unruhejahren noch keine Touristen durch Islamisten zu Schaden gekommen waren, beruhigt uns. Nicht aber Eltern, Verwandte und Bekannte. Das Internet bildet heute eine vorzügliche Platform für unser Anliegen und wir treffen bald Iris und Attila aus Bern, die ebenso wie wir mit einem Toyota Landcruiser reisen wollen und eben die gleichen vier Wochen als Reisedatum wie wir ins Auge gefasst hatten. Unser erstes Treffen verläuft harmonisch und die kleine Reisegruppe ist gebildet. Dann, sechs Wochen vor der Abreise: der 11. September 2001. Auch wir sitzen fassungslos vor den Bildschirmen, können die Tragödie in New York kaum fassen. Das soll die Realität sein? Erst nach Tagen beginnen wir wieder, normal zu denken. Die Gedanken kehren nur mühsam zum Urlaub zurück. Funk- und Fernsehanstalten decken uns von morgens bis abends mit Bildern der Gewalt und der Zerstörung ein. Jubelnde Palästinenser im Wechselspiel mit grauhaarigen Nahostkennern, die in bedeutungsschwangeren Worten von einem Zusammenstoss der Kulturen sprechen. Und wir wollen nach Algerien??? Die Fähre ist schon lange gebucht, die Visa sind in den Pässen und anstatt Urlaubsgefühle zu entwicklen, sehen wir uns den Warnungen, Sorgen und Beschuldigungen unserer Umwelt ausgesetzt. Ob wir noch alle Tassen im Schrank hätten, ist noch die schriftlich am besten wiederzugebende Reaktion. Wir besprechen uns mit unseren Reisepartnern und sind auch zu viert ratlos. Amerika gebinnt mit der Bombadierung Afghanistans. Die Zweifel wachsen und wir finden uns schon mit einem Urlaub in Tunesien ab. Wir wagen uns bis Genua, zur Fähre. Die Erfahrung von zwei Jahren Reise durch Afrika sagt uns, dass das Medienspektakel nicht die tatsächlichen Verhältnisse in den Ländern wiedergibt. 99 Prozent der Bevölkerung stehen dem Reisenden freundlich oder zumindest neutral gegenüber. Und wenn man schon über Risiken spricht, dann ist (zumindest empirisch gesehen) der Strassenverkehr das grösste Risiko einer Fahrt nach Afrika. (fünf Tage nach unserer Abreise brennt dann der Gotthard Tunnel und wir fragen uns zum wiederholten Mal, wie man Risiken überhaupt einschätzen soll) Erleichtert stellen wir an der Fähre fest, dass noch rund 50 Fahrzeuge anderer Afrikafahrer auf die Verschiffung warten. Jedermann fühlt sich in Gegenwart des nächsten wohler. Alle zusammen können wir doch nicht irren und das Risiko so unterschätzen. Nur vier Wochen Reise liegen vor uns. Und es sollten die vier grossartigsten Wochen werden, die wir in Nordafrika bislang erleben durften. Algerien ist ein Land voller freundlicher Menschen, offen für Touristen und mit einer Landschaft gesegnet, die den Menschen auf seine natürliche Grösse zurechtstutzt. Mit Worten ist diese Landschaft kaum hinreichend zu beschreiben. So haben wir diesen Urlaub als virtuelle Reise durch die Sahara aufbereitet. Wir wünschen allen Besuchern viel Freude beim Gang durch die Bildergalerien. |
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