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Erg Admer |
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Lag es nun an dem plötzlich aufgetretenen kalten Wind, den wir unterschätzt haben oder war es die "Quittung" für unser ungebührliches Verhalten gegenüber Ousman und Zouri, mit der Einfahrt in den Erg Admer wurde unsere Reise ziemlich aus der Bahn geworfen. Als erster merkt Eric, das etwas nicht in Ordnung ist. Bereits bei der Felsgravur "la vache qui pleurt" merkt er einen unangenehmen Druck auf dem linken Ohr. Auch das Wetter hat sich deutlich gewandelt. Nach dem strahlend blauen Himmel der bisherigen Tage, ist die Sicht heute dunstig. Die Sonne trifft nur gedämpft auf den Boden und wandelt die Wüste in eine konturlose, graugelbe und gleichförmige Landschaft. Woher all der Staub in der Luft kommt, wissen wir nicht. Irgendwo muss es jedenfalls einen heftigen Sandsturm gegeben haben. Dennoch geniessen wir die Einfahrt in den Erg Admer. Die Koordinaten, die wir haben, stimmen bis ins Detail und wir können die höhen Dünen an den besten Stellen überqueren. Immer wieder wechseln Dünen und kleine Ebenen ab. Wobei wir uns manchmal gar nicht recht trauen, im Sand zu fahren. Über weite Strecken sind die Dünen grasbewachsen und gleichen einem grünen Teppich. Wir haben regelrecht Skrupel, diese schönen Wiesen mit den Reifen zu zertrennen. Gegen Mittag erreichen wir das Schlüssellochgrab, welches wir als Mittagsplatz gedacht hatten. Doch Eric geht es mittlerweile deutlich schlechter. Er hat mittlerweile rasende Ohrenschmerzen und möchte sich hinlegen. Als sich kurz darauf Joly auch noch einen Hexenschuss zu zieht, ist klar. Heute geht es nicht mehr weiter. Wir klettern mit den Wagen etwas höher hinauf auf die Dünen und schlagen dort unser Lazarett auf. Auch am nächsten Morgen geht es unserer Küchencrew nicht besser. Joly nimmt zwar Schmerztabletten und auch Eric bekommt alles vermeintlich lindernde, was die Reiseapotheke hergibt. Besserung ist bei beiden jedoch nicht festzustellen. Wir beschliessen, heute nicht weiterzufahren und legen einen Ruhetag ein. Ich sehe die positive Seite der Zwangspause und verabschiede mich mit Hemingway nach Ostafrika ("Die Wahrheit im Morgenlicht"). Doch auch diese "Safari" schützt mich nicht vor den realen Problemen. Auch bei mir zieht eine Grippe auf und mein rechtes Ohr beginnt heftig zu pochen. Lediglich Patrick bleibt obenauf und hat alle Hände voll zu tun, Eric zu versorgen. Als es Eric am nächsten Morgen noch immer nicht besser geht, entschliessen wir uns, nach Djanet zurück zu fahren und dort das Krankenhaus aufzusuchen. Ins blaue hinein wollen wir ihm keine Antibiotika verabreichen und Joly geht es zumindest so gut, dass sie wieder eine Weile sitzen kann. Das zentral gelegene Krankenhaus in Djanet macht einen für Nordafrika typischen Eindruck. Das Gebäude ist in renovationsbedürftigem Zustand, im Hof stapelt sich der Müll und durch die vielen zerbrochenen Fensterscheiben strömt der muffige Geruch ungereinigter Zimmer. All dies versuchen die anwesenden Ärzte mit dem Geschick ihrer Hände und grosser Zuversicht auszugleichen. "Wir würden unseren Eric schon zurückbekommen" lautet die Diagnose. Die Mittelohrentzündung wird mit einer Ladung Antibiotika und Unmengen Schmerzmittel bekämpft. Nach einer ersten (schmerzhaften) Spritze in den Allerwertesten kommt Eric an den Tropf und wartet auf Besserung. Mit der Zeit erklären wir der behandelnden Ärztin, dass wir als Touristen nur auf der Durchreise sind und wie die Behandlung bei Eric weitergehen soll, da die von uns auf Rezept besorgten Medikamente nicht oral, sondern mit der Spritze zu verabreichen sein. Auf die Antwort der Ärztin "das wäre doch kein Problem", über wir uns alle schon einmal im Geiste, wie man eine Spritze setzt und was wohl alles zu beachten wäre. Auch besorgen wir schon einmal einen Filzstift, um auf Erics Hinterteil den Zielraum einzeichnen zu lassen, wo wir ihn denn stechen sollen. Erst als die junge Ärztin begreift, dass wir alleine reisen und nicht einer Gruppe mit medizinischem Fachmann angehören, ändert sie (zu unserer Enttäuschung) die Medikamentation. Eric bekommt von all dem herzlich wenig mit. Er ist mittlerweile so unter Schmerzmittel gesetzt, dass er kurz vor dem Delirium steht. |