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Afara Ebene |
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Der Abschied vom Erg Tihodaine fällt uns schwer. Wir können uns kaum vorstellen, auf dieser Reise einen noch schöneren Nachtplatz zu finden. Aber hier hin werden wir eines Tages mit mehr Zeit zurückkehren. Der Weg nach (Süd)westen quer durch den Erg entschädigt uns aber für den Abschiedsschmerz. Über langgezogene, teils steile aber immer gut befahrbare Dünen bahnen wir unseren Weg. Nur einmal sind wir uns nicht ganz sicher, ob wir die Düne erklimmen können. Bei der Auffahrt in die Steigung berühren wir mit dem langen Wagenheck fast den Boden. Aber der Untergrund ist vom Regen noch so gefestigt, dass wir auch diese Steigung bezwingen können. Weiter geht es über weite, geschwungene Dünen. So macht das Fahren richtig Spass. Ein himmlisches Vergnügen. Am Ende des Sandmeeres behalten wir unsere eingeschlagene Richtung bei und steuern auf die Afara-Ebene zu. Zum ersten Mal seit Tagen beschäftigen wir mal wieder den 4. Gang und der Fahrtwind bläst den überflüssigen Sand vom Wagen. Nach einer eher unspektakulären Fahrt finden wir einen grandiosen Nachtplatz auf einer Anhöhe zwischen zwei Tafelbergen, die uns stark an die Idealvorstellung vom Wilden Westen erinnern. Leicht erhöht über der Ebene auf rund 1.300 Metern geniessen wir einen späten Sonnenuntergang und die im Abendlicht glühenden Felswände. Doch schnell nimmt uns die Dunkelheit der Nacht die Sicht und wir kauern uns in den Windschatten der Wagen. An unserem exponierten Lagerplatz erreichen uns die Strahlen der Morgensonne schon früh. Heute werden Patrick und Eric vorausfahren. Im täglichen Wechsel steht somit unser kleines Reisegrüppchen unter Leitung von Kuoni-Reisen (perfekte Reiseleitung) und von Lava Tours (so heissen wir dann als Reiseführung. Warum wird sich später zeigen). Schon am Vorabend versprachen uns die beiden ein einmaliges Erlebnis. Im letzten Sonnenlicht hatten sie am Horizont einen See entdeckt. Täuschung oder Realität? Wir wollen es wissen und fahren weiter nach Osten. Doch der See entpuppt sich als eine weisse Kalkebene, die auch tagsüber wie Wasser spiegelt. Nachdem sich Ernüchterung breit gemacht hat, bekommen wir doch noch unser einmaliges Erlebnis. Hinter einem kleinen Dünenkamm stossen wir auf Wasser. Ein See, ein grosser See, der Teile der Afara Ebene bedeckt. Völlig fassungslos rollen wir vorwärts, bis die Räder in den Uferschlamm sinken. Die Reste der starken Regenfälle sind in dieser Lehmsenke zusammengelaufen und wirken wie ein kleines Paradies in der Wüste. Rund um den See steht üppiges grün und bietet allen Lebewesen der Ebene reichhaltig Futter. Das hält uns aber nicht davor ab, zumindest bis zu den Knien in das kalte Wasser zu gehen. Dabei gilt es aber sorgfältig das Gleichgewicht zu halten. Rutschiger Schlick und Erdanziehungskraft wollen uns immer wieder überlisten und ein Vollbad aufzwängen. Etwas verschrocken stellen wir fest, dass sich auch im Wasser das pralle Leben tummelt. Mit etwas Glück können wir eines der rund 4 cm langen Tiere fangen, die in Ufernähe schwimmen. Ein solches Tier haben wir noch nie gesehen. Der Körperform nach ein fossiler Krebs, ähnelt es im Aussehen den Schwertschwänzen des Nordatlantik. Nur ist der Körper dieser Tiere nicht schwarz sondern nahezu transparent. Etwas ungläubig schlagen wir im Lexikon nach (was Patrick und Eric nicht alles im Landy mit rumkarren!) und tippen auf ein im Wasser lebendes Spinnentier. Wir sind gespannt, ob sich jemand meldet, der es genau weiss. Die Mittagsrast wollen wir am markanten Felsberg Adaradjez einige Kilometer weiter östlich verbringen. Unerwartet führt die Piste in dichteres Gestrüpp. Schon bald ist der Weg von Menschen bevölkert und einige Kinder auf einem Traktor folgen uns in der Hoffnung auf ein Geschenk. Nach den vielen einsamen Tagen sind wir vom Auftauchen der Leute regelrecht erschrocken, sodass wir umgehend das Weite suchen und fast noch in eine Militärstation hineinfahren. Querfeldein verlassen wir das bewohnte Gebiet und finden mit etwas Glück einen schönen Platz in der Nähe des Felsturmes. Nachdem wir uns nach Mittag auf der Piste zunächst verfahren und auf die Asphaltstrasse Illizi - Djanet zuhalten, bemerken wir den Navigationsfehler und kehren um. Ein schwerer Fehler, wie sich noch herausstellen sollte. Anstatt wieder zurück bis an den See zu fahren, wählen wir die Piste direkt nach Süden und landen auf einer der übelsten Steinpiste, die wir bislang gesehen haben. Anstatt die Vorteile des Geländes zu nutzen, haben die Pistenbauer ihre Planierraupe auf der Luftlinie nach Süden arbeiten lassen. Heraus kam eine völlig entnervende, fahrzeug- mordende Rüttelstrecke, die mir jeden Sinn für Humor raubt. "Wer hat bloss die besch.... Strecke angelegt?" Aber alles fluchen nutzt nicht. Stundenlang hoppeln wir im Schritttempo durch die monotone Lavalandschaft. Einzige Abwechslung bietet die Grösse der Steine. Klein, mittelgross, gross. Heisst: 2. Gang, 1. Gang oder Untersetzungsgetriebe. Um 16 Uhr gibt Kuoni Tours die Leitung des heutigen Tages in unsere Hände über. (Das war Teil des täglichen Wechsels, dass der hinterherfahrende abends den Lagerplatz auswählen durfte.) Frohen Mutes fahren wir also mit dem Toyota voraus und biegen links zu einem wunderbaren Nachtplatz ab. Ok. Ist alles gelogen. Ziemlich genervt fahre ich also nach vorne und versuche im Gegenlicht irgendeine zumindest etwas attraktive Stelle auszumachen. So weit der Horizont aber reicht, bietet sich das gleiche Bild. Man könnte glauben in der Hölle angelangt zu sein, wo ausser schwarzgebranntem Stein nichts mehr übrig geblieben ist. Wir fahren noch eine halbe Stunde auf der schlechten Piste voraus. Dann wage ich einen Abstecher nach links mit dem Ziel, zwischen zwei Hügeln den Lagerplatz zu errichten. Dabei wird der Untergrund so schlecht, dass wir zuletzt kaum mehr aus den Wagen heraus können, ohne uns der Gefahr auszusetzen, die Knöchel umzuknicken. Also zurück. Ein anderer Platz muss her. Nur noch bis zu dem Höhenkamm da vorne. Na, schauen wir mal, was sich hinter dem nächsten Horizont verbirgt. Die Zeit verstreicht und die Sonne sticht uns direkt in die Augen, aber das Bild ändert sich nicht. Kein einladendes Plätzchen weit und breit. Meine Laune hebt sich erst wieder, als wir bei Einbruch der Dunkelheit doch noch ein kleines, ebenes Fleckchen Kiesboden finden. Nicht der beste Platz, aber wohl der am meisten ersehnte. |