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Anreise bis zum Erg Issaouane |
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Es ist still. Die Nacht befindet sich an der Schwelle zum Tag. Der Himmel erhellt sich und langsam erhebt sich die Sonne über den Horizont. Kein Laut ist zu hören, kein Geräusch zu vernehmen. Die anderen schlafen noch, aber ich geniesse diese stille Magie der Wüste. Vollkommen konzentriert und gleichzeitig entspannt lausche ich der Wüste, aber nur das ruhige, stetige Pochen des eigenen Pulses ist zu hören. Über Nacht hat sich der Wind gelegt und wir blicken einem neuen, wunderbaren Tag in der Sahara entgegen. Unser Glück ist um so grösser, da sich Hassi Bel Guebbour unvermutet als Nadelöhr entpuppte. Die 600 Liter Diesel, die wir brauchten, waren dort zwar ohne Einschränkungen verfügbar. Unsere Unbekümmertheit verflog aber im angrenzenden Militärposten. Schon die querliegenden Hindernisse auf dem Abzweig in Richtung 4 Chemins verhiessen ungutes. Das löcherige Asphaltband sei "barré" erklärt man uns knapp. Kein Weiterkommen in die gewünschte Richtung. Keine Antwort auf unsere Fragen nach Gründen und Ausnahmen. Der Soldat befolgt unerbittlich seinen Befehl, die "ordre superieure", wie wir noch erfahren und weist zunehmen genervt gen Osten nach In Amenas. Mit mitleidigstem Dackelblick starten wir die nächste Fragerunde. Und wer glaubt es, unser Soldat wird gesprächiger. 60 Kilometer weiter befände sich eine Piste, die nach 4 Chemins führen würde. Diese wäre offen, nur das Gebiet zwischen den beiden Punkten gesperrt. Der Erg Tiffernine sein unproblematisch. Wir fahren wie uns gesagt wurde und zweigen in Höhe von Hassi Tabankort nach Süden von der Asphaltstrasse ab. Die Piste ist zunächst schlecht auszumachen, da das Gelände in Strassennähe einer grossen Kiesgrube gleicht. Die Schuttwälle werden kleiner und bald führt uns eine kleine, buckelige Piste entlang eindrucksvoller Felswände, aus denen versteinerte Wurzeln im Rautenmuster ragen, in Richtung 4 Chemins. Mehr an der Himmelsrichtung orientierend folgen wir der Piste, die uns gerade am sinnvollsten erscheint. Das Gelände wird von mehreren Wegen durchkreuzt, von denen aber keiner stärker befahren zu sein scheint. Gegen Mittag erreichen wir ein Wüsten Café. Zumindest das was von dem Lokal übrig ist. Auf einige leere Fässer wurde ein Wellblechdach genagelt, vor und hinter dem Tresen erstreckt sich die Steinebene. "Nicht gerade viel Laufkundschaft hier". Die Piste wird kleiner und steiniger. An der nächsten Kreuzung halten wir uns rechts, nachdem die geradeausführende Spur mit quergelegten Steinen den Abzweig empfiehlt. Reifen und Stossdämpfer werden weiter malträtiert, bis wir unversehens an der Abbruchkante der Hochebene sind, auf der wir bislang gefahren sind. Mit etwas Glück finden wir einige Minuten weiter nördlich einen fahrbaren Abstieg zur nächsten Höhenstufe. Hier ist der Boden sandiger. Wir konnen unseren Fahrweg frei wählen, folgen erst einem bewachsenen Oued und dann wieder den Weisungen des Kompasses. Zwischen kleinen Tafelbergen hindurch finden wir den Weg auf eine weitläufigere Ebene. Am Horizont glühen die höchsten Dünen des Erg Issaouane auf. Wir schwenken nach Westen und suchen bald ein Nachtlager. Am späten Morgen erreichen wir 4 Chemins. Der Militärposten und seine Absperrung, die den Kreuzungsbereich der Strasse umgibt scheint verlassen zu sein. Alle Zugänge sind mit Barrieren versperrt. Als wir das Gelände umfahren, lösen sich 3 Gestalten aus dem Schatten der baufälligen Baracke. Unschlüssig, was wir machen wollen, fahren wir doch zu den jungen Soldaten und bitten um Durchlass nach Westen. Verdutzt woher wir kommen, suchen sie gemeinsam nach einer Antwort. Diese können wir aber nicht verstehen. Keiner der drei spricht französisch und unsere Arabisch Kenntnisse beschränken sich auf eine Handvoll Wörter. Das einzige französische Wort, das den Algeriern über die Lippen kommt ist "interdit". Unterlegt mit einem schwenkenden Fingerzeig in unsere gewünschte Richtung ist uns klar, dass auch die Piste westlich von 4 Chemins gesperrt ist. Wir sollen zurück nach Norden, nach Hassi Bel Guebbour fahren, wo wir doch gerade erst herkommen. Wir schütteln gemeinsam die Köpfe und intonieren ein gequältes "interdit". Das scheinen die Soldaten einzusehen. Wir dürfen weiter in Richtung Bordji Omar Driss. Sollen sich doch die Vorgesetzten mit uns herumplagen. Dazu kommt es aber nicht. Nachdem wir die nächste Höhenstufe auf der Teerstrasse herabgestiegen sind, verlassen wir in Sichtweite des Ortes den Asphalt. Lange Diskussionen sind nun einmal nicht das Ziel einer Saharareise. Der Sand ist tief, aber nachdem wir uns durch die obligaten Sandwälle neben der Strasse gekämpft haben, finden wir einzelne Spuren, die sich bald zu einer kleinen Piste verdichten. Unterhalb der Abbruchkante der Kalkebene, auf der wir im Vorjahr nach Westen führen, finden wir eine wunderbare Alternative, um in den Erg Issaouane zu gelangen. Von Sanddünen verstellt und mit malerischen Lehmhügeln verziert erweist sich die Strecke als landschaftlich deutlich reizvoller, als die doch recht trostlose Kalkebene. In Gedanken danken wir dem Militär für die Umleitung. |