Tin Merzouga

Am folgenden Tag legen wir nur wenige Kilometer zurück. Dafür sind wir um so beschäftigter, die Natur voll und ganz zu geniessen. Manche Passagen, in denen tiefrote Sanddünen am dunklen, vom Wind gezeichneten Fels emporklettern wirken gar wie eine Filmkulisse made in Hollywood. Farben und Formen in einer Vielfalt, dass man meinen könnte, die Landschaft wäre nicht echt. Nördlich des Tin Merzouga laufen wir an den Rand des Sandmeeres und beenden den Tag auf einer leichten Anhöhe über einer wunderbaren Ebene. Von kleinen Tafelbergen und mächtigen Steinsäulen durchsetzt wirkt sie aus der Entfernung wie ein fantasievoll angelegter Steingarten.

Zum Abend bereiten wir das Essen für die ganze Gruppe. Nach den beiden Vortagen wollen wir uns gerne bei Housseini revanchieren. Nach Prüfung der Lebensmittelvorräte und der Idee, natürlich etwas "echt" schweizerisches anzubieten, fällt die Wahl auf Älpler Makronen. Joly & Eric werfen sich mächtig ins Zeug und bereiten eine Riesenportion der Schweizer Nationalspeise. Sogar mit frischem (!) Apfelmus. Doch die Reaktion unserer Begleiter fällt geteilt aus. Während Housseini - durch seine Reisen nach Europa an solche Kost gewöhnt - den Anstandsteller verdrückt, versucht Ousman eher sich selbst zu verdrücken. Irgendwie scheint die Kombination aus Rahm, Käse, Nudeln und Kartoffeln nicht sein Geschmack zu sein. Das können wir gut nachvollziehen, sind wir doch auch nicht Fan aller afrikanischen Speisen. Der Teller samt Inhalt verschwindet im Dunkel der Nacht, taucht zum Abwasch aber wieder auf.

Housseini muss uns verlassen. Er hat noch eine andere Gruppe, die in der Gegend unterwegs ist und uns schon beim ersten Treffen darüber in Kenntnis gesetzt, dass er - um beiden Gruppen gerecht zu werden - zur Mitte der Tour wechseln wird. Damit wird Ousman zum Chef. Der Wagen wird nun von Zouri gesteuert, der von der anderen Gruppe herüber kommt. Ob es an diesem Wechsel liegt - Ousman kann nur wenig französisch und kennt die Wünsche seiner europäischen Touristen bei weitem nicht so gut wie Housseini - oder am Beginn des Fastenmonats Ramadan; die Tour verändert sich leider.

Daran hat wohl auch das Wetter seinen Anteil. Ein heftiger Wind kommt auf und wandelt sich fast zum veritablen Sandsturm. An eine Fahrt in die Dünen ist kaum zu denken. So fahren wir nur an den Rand des Tin Merzouga und warten, bis "Oswald" und "Züri-Dani" wie wir unsere beiden Begleiter leicht boshaft nennen, ihre zweieinhalb Stunden Mittagsschlaf absolviert haben. Derweil warten wir im Windschatten der Wagen, lesen etwas und kaspern herum. Mehr oder weniger fahren wir einen grossen Teil des bekannten Weges im Oued In Djerane zurück und begeben uns früh auf die Suche nach einem windgeschützten Nachtplatz. Dieser verfügt dann sogar über ein "Naturbadezimmer".

Nach dem abendlichen Hinweis, dass wir eine grosse Distanz zurückzulegen haben, sind wir am nächsten Morgen bereits um halb acht zur Abfahrt bereit. Wir kommen gut vorwärts, doch die Landschaft wird zunehmend uninteressanter. Zum Glück von Zouri nimmt auch der Sand ab. Der Allradantrieb an seinem Toyota ist vorübergehend "malade", wie er uns erklärt hatte, nachdem er im Sand steckengeblieben war. Gegen Mittag wird die Landschaft vollkommen eintönig. Inmitten einer öden Ebene rasten wir für den Mittag. Und wen überrascht es? Für zweieinhalb Stunden. Oswald und Züri-Dani fallen wie die toten Fliegen aus dem Wagen und brauchen dringend Ruhe. Das ist auch verständlich, waren die beide doch am Vorabend noch bis nach Mitternacht auf Tour gewesen, bei anderen Guides den Ramadan feiern. Aber wir wollen uns nicht beschweren und respektieren ihr Verhalten. Zumindest bleibt so Zeit, einen kurzen Service am Wagen zu machen. Als dieser abgeschlossen ist, schlagen wir die Zeit tot und warten auf die Auferstehung unserer Führer.