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Schmugglerpiste (Hassi Ta Haft bis In Azoua) |
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Die abgespeicherte Route in unseren GPS weist direkt nach Süden. Ohne Probleme finden wir den Einstieg in das Oued Amezrouk. Verfahren kann man sich hier eigentlich nicht. Einmal links abbiegen, einmal rechts und schon steht man am Brunnen von Ta Haft. Oder war es erst rechts, dann links? Jedenfalls ist die Piste nicht so einsam, wie wir vermutet hatten. Nach einem ersten, nur mit einem Fass beladenen Pick Up am Morgen, der unser Misstrauen erweckte, kreuzen nun drei mit Zigaretten überladene Toyota unseren Weg. In höllischem Tempo rasen sie mehr fliegend als fahrend an uns vorbei. Lässig winkend und doch hektisch mit den Händen auf dem Lenkrad am Rudern lachen uns die Fahrer an. Beiderseitige Freude kennzeichnet das kurze Zusammentreffen. Wir wollen nichts von ihnen und sie nicht von uns. Bis zum Mittag kommen uns noch weitere 9 Fahrzeuge entgegen. Der Marlboro Nachschub für den Norden Algeriens. Ein Geschäft, das sich anscheinend für alle lohnen muss. Schmuggler, Militär und Staat. Die Schmuggler schmuggeln (sagt ja schon der Name), das Militär schaut weg und lässt sich auf das Hase und Igel Spiel ein (wohl auch nicht umsonst) und der Staat kassiert ab und an doch mal eine Schmugglerkaravane ein, nur um die beschlagnahmten Fahrzeuge auf einer Auktion wieder zu verkaufen. An wen? Die Schmuggler natürlich. Die Wertschöpfungskette muss doch schliesslich erhalten bleiben, sonst gäbe es das Marlboro Import-Verbot in Algerien doch schon lange nicht mehr. Den Brunnen Hassi Ta Haft finden wir zwar nicht, doch weisen die Spuren des Schmugglertrecks in die richtige Richtung. Wir kommen noch einige Kilometer vorwärts und setzen den Weg dann erst einmal zu Fuss fort. Steil steigt die Piste rund 30 Meter auf einen Felsvorsprung. Nachdem wir die Kuppe etwas entschärft haben, um nicht mit Uelis Bauch aufzusetzen, tuckere ich die Steigung gemütlich herauf. Der Motor blubbert und im 1. Geländegang und mit eingelegten Sperren arbeitet sich der Toyo langsam seinen Weg nach oben. Eric muss den Landy schon etwas mehr treten. Der erste Versuch scheitert wenige Zentimeter vor der Kuppe. Mit mehr Gas und etwas brutaler ist der zweite Versuch aber erfolgreich. Über eine steinige und unruhige Piste erreichen wir das Hassi in Azaoua. Das Wasser ist gut. Leider ist das gesamte Umfeld des Brunnens stark verschmutzt. Umgestürzte 200 Liter Fässer, aus denen noch das restliche Benzin verdunstet und anderer Unrat zeugen vom "Besuch" der Schmugglerkaravane. Um nicht über die Düne im Ahelleguen Tal zu müssen wollen wir über eine kleine Bergpiste zum Erg Tihodaine durchsteigen. Die Passage fordert den Wagen alles ab. Loses Geröll, schwierige Steigungen und heftige Felsstufen lassen unsere Geschwindigkeit auf Schleichfahrt zusammenschmelzen. Aber der Aufstieg lohnt sich. Aus gut 1200 Metern Höhe bietet uns die Strecke einen erhabenen Panoramablick auf diese Welt aus Stein. Unvermittelt endet der Fels und wir stecken bis zu den Knöcheln im weichen Sand. Die Landschaft wandelt sich zu einer grandiosen Komposition aus Sanddünen und Bergkuppen. Bilderbuchwüste. Wir suchen einen Nachtplatz und werden abseits der Piste in einem kleinen Talkessel fündig. Nach einer windgeschüttelten Nacht lockt uns die Sonne aus den Schlafsäcken. Noch vor dem Frühstück drehe ich eine kleine Runde zu Fuss und entdecke einen von einem schweren Felsblock verschlossenen Felsspalt. Nach einer ersten Erkundung die Felswände hinauf kann ich in die Spalte schauen und bemerke neben einem üppigen Pflanzenwuchs auch das einfallende Licht der Morgensonne unter den Felsblock hindurch. Und tatsächlich, gerade so breit, dass ein Mensch sich hindurchzwängen kann ist Platz zwischen Felswand und Felsblock geblieben. Ich zwänge mich hindurch und bin berauscht vom Duft und den Lichtspielen in der Felsspalte. So könnte Ali Babas Höhle aussehen. Einen Schatz finde ich freilich nicht. |