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Reisen nach Algerien - ein Vorwort Obwohl in der Luftlinie kaum 800 Kilometer und nur 24 Stunden Schiffahrt von Genua enfernt, bildet Nordafrika und insbesondere Algerien einen starken Kontrast zu Europa, der auf so kleine Distanz eigentlich kaum für möglich gehalten wird. Auf der Nordseite des Mittelmeeres bestimmt hektische Geschäftigkeit das Leben der Menschen, die Natur wurde den Bedürfnissen der Bewohner angepasst und religiöse wie familiäre Aspekte werden von der arbeitsteiligen Gesellschaft zusehends in den Hintergrund gedrückt. Völlig im Gegensatz dazu wird das südliche Algerien durch die endlose Einsamkeit der Sahara beherrscht. Einer Landschaft in der der Mensch bis heute nur durch Anpassung zu bestehen weiss. Der Glauben und die Familie sind die dominierenden Eckpunkte im Leben der Menschen. Es sind gerade diese Gegensätze, die den Reisenden in die Sahara ziehen. Fernab von der täglichen Hektik und dem Krach der Städte findet man in der Wüste Zeit zur Besinnung und zur Reflexion. Dabei sollte es selbstverständlich sein, dass den Menschen und ihrer Kultur mit Respekt und Zurückhaltung begegnet wird (empfohlen sei die Lektüre eines entsprechenden Reiseführers zu Verhaltensregeln in islamischen Ländern, z.B. "Islam erleben" aus dem Reise Know How Verlag). Ebenso selbstverständlich sollte es sein, dass die Natur möglichst weitgehend geschont und nicht ausschliesslich als grosse Kiesgrube "zum bolzen" verbraucht wird. Grundsätzlich ist jeder erfahrene Individualtourist in der Lage, Algerien auf eigene Faust zu bereisen. Angesichts der weiterhin problematischen Sicherheitslage im Norden des Landes, wo seit mehr als 10 Jahren ein Bürgerkrieg herrscht, der bereits über 100'000 Tote gefordert hat (nach Abbruch demokratischer Wahlen durch das Militär als sich die Mehrheit für eine islamische Partei abzeichnete), müssen sich Reisen auf den südlichen Teil des Landes beschränken. Dabei gelten jedoch die weitläufigen Grenzgebiete zu Mauretanien, Mali und dem Niger als überfallgefährdet (grenzüberschreitendes Banditentum). Wer nicht mit dem Flugzeug einreist oder sich einer geführten Tour anschliesst, sondern mit dem eigenen Fahrzeug reist, sollte über genügende Wüstenerfahrung verfügen, nicht alleine reisen (immer mindestens 2 Fahrzeuge) und das Fahrzeug in technisch einwandfreien Zustand halten. Mit zuverlässiger Ausrüstung, guten Orientierungshilfen (IGN-Karten, Kompass, GPS), einem gesunden Menschenverständnis sowie Respekt vor Land und Leuten wird sich Algerien als traumhaftes Reiseland erweisen. Das war unser Eindruck aus den Reisen 2001 und 2002. Mittlerweile hat sich die Situation in Algerien für europäische Reisende grundsätzlich verändert. Im Zentrum der algerischen Sahara (Gräberpiste / Amguidpiste) sind Anfang März 2003 rund 30 Touristen von islamistischen Terroristen entführt und teilweise bis zu 6 Monaten festgehalten worden. Eine der Geiseln starb während der Gefangenschaft an Erschöpfung. Obwohl bis heute eigentlich nicht klar ist, was mit der Entführung bezweckt werden sollte, so ist doch eines klar. Das Reisen in der algerischen Sahara hat sich grundlegend verändert. Angesichts der offensichtlichen Unfähigkeit der algerischen Behörden und des Militärs die Wüstenregionen (selbst vernab der Grenzen) zu sichern, ist das Risiko, dass die Entführer erneut zuschlagen oder Nachahmer finden, sehr gross. Angesichts der Einzigartigkeit dieses Verbrechens in der Sahara, ist nicht zu sagen, ob und wann die Sicherheitslage wieder als "akzeptabel" angesehen werden kann (eine völlige Sicherheit wird es ebenso wie in allen anderen afrikanischen Reiseländern nie geben). Davon unbesehen, ist es aber überaus fraglich, wieviel Freude und Faszination man als Reisender noch empfinden kann, wenn man bei jedem gesichteten Fahrzeug gleich das Schlimmste befürchten muss. Touren mit einem Führer vor Ort bleiben derzeit die wohl einzige vertretbare Alternative. Bis die erste Gruppe mit Führer überfallen wird. Denn im Zweifelsfall wird der Führer wenig Überlebenschancen haben, da er vermutlich als einziger die Entführer besser identifizieren könnte. Zu hoffen ist, dass im Sog der weltweiten Spannungen (Irak-Krieg, Palästinakonflikt) nicht die Aggression die Oberhand gewinnt und dieser kleine Reiseverkehr zwischen den Kulturen nicht völlig zum Erliegen kommt. Es wäre sehr schade, denn mit offenem Herzen und klarem Verstand könnten wir alle von einander soviel lernen und vielleicht irgandwann auch einander verstehen. Vorerst scheint das aber ein Wunschgedanke zu sein. Uns schmerzt es sehr, der Wüste so fern zu sein, und das nicht nur weil damit den Tuareg das gerade wieder aufkeimende Tourismusgeschäft als Einkommensgrundlage wegbricht. Die Wüste ist auch für uns ein Raum der Besinnung und der Ruhe, die Abstand zu unserer hektischen und kommerzialisierten Welt schafft. |