Griechenland 2003

Zebastian südlich von Patras

Kalavrita

Blumenfeld

Kiparissia

Hellas, das Land der Philosophen und Mathematiker, Heimat des Odysseus und Sitz der vorchristlichen Götter soll dieses Jahr unser Reiseziel sein. Nachdem wir in den beiden vorherigen Jahren so wunderbare Reisen in die algerische Sahara verleben durften, haben wir grosse Mühe, uns mit dem neuen Reiseziel anzufreunden. Aber die Sicherheitslage in Algerien und auch die übertrieben regulierten Einreisebestimmungen in Libyen lassen uns nur wenig Wahl. So reisen wir via Ancona per Schiff nach Patras und hoffen, auf abgelegenen Wegen, fernab der Touristenströme auch in diesem Jahr auf unsere Kosten zu kommen.

1)

Und auf unsere Kosten sollten wir tatsächlich kommen. Griechenland begegnet uns mit grossartigen Landschaften, einmaligen Kulturdenkmälern und allgegenwärtigen Frühpensionären aus dem deutschsprachigen Raum.

So grotesk diese Aufzählung auch klingen mag, bestimmen doch vor allem diese drei Faktoren die Eindrücke des Reisenden, der doch eigentlich nur ganz behutsam und zurückhaltend durch die Fremde ziehen will.

Areopoli

Porto Kagio

Fischerboot

Halbinsel Mani

Noch 1988, was eigentlich gar nicht so lange her ist, war die Halbinsel Mani bei meinem ersten Besuch noch nahezu unbewohnt. Die charakteristischen, mittelalterlichen Wohnburgen der einst wehrhaften Bewohner Manis waren weitgehend verlassen und dem Verfall preisgegeben. Das Bild hat sich in nur 15 Jahren grundlegend gewandelt. Vielerorts werden die Burgen und Häuser wieder aufgebaut und bewohnt. Zumeist als Ferienhäuser für gut betuchte In- und Ausländer, vereinzelt auch als Gasthäuser oder Hotels genutzt, belebt sich die archaische Landschaft der Halbinsel wieder zusehends.

Einen Schaden hat dieser aussergewöhnliche Flecken Griechenlands von der verstärkten Bautätigkeit bislang nach unserem Ermessen zum Glück nicht genommen. Die Bauvorhaben scheinen streng reglementiert zu sein und dem Bustourismus bleibt diese kleine Welt dank der engen und verwinkelten Strassen noch verwehrt. Eine Campingmöglichkeit suchen wir aber ebenfalls vergeblich. Ohne uns einem Einwohner direkt ins Blickfeld zwängen zu wollen und von den steilen Berghängen der berge begrenzt, sind die Stellen zum wildcampen zudem rar. Vielleicht ist das aber auch besser so. So hat die Mani noch einige Jahre Schonzeit, bis der Tourismus sie vollends entdeckt. Wir entschliessen uns, noch vor dem Abend in Richtung Githio weiter zu fahren.

2)

Unerwartet stecken wir bald wieder tief in Afrika. Nicht, dass uns die Landschaft an den schwarzen Kontinent erinnern würde, es sind die Strassenzustände. War der Weg von Lagia nach Kokkala noch eng und äusserst sanierungsbedürftig, beginnt in Kokkala unvermittelt eine wunderbar ausgebaute Schnellstrasse, für die ganze Berghänge abgetragen wurden. Zu Beginn dieser Autobahn werden wir auf einer überdimensionierten, bunten Tafel auf den grosszügigen Bauherren - die EU - hingewiesen. Vielen Dank an die Steuerzahler der Gemeinschaft. In flottem Tempo (erstmals auf der Mani im 4. Gang) rauschen wir nach Norden, erfreuen uns der einsamen Fahrt auf der schwarzglänzenden Asphaltpiste, die jedoch an einigen Stellen nach Erdrutschen - ausgelöst von den heftigen Regenfällen des Frühjahrs - nur einspurig passierbar ist. Aber kein Problem. Gegenverkehr gibt es hier eh keinen. Am Ende der Schnellstrasse bei Flomohri wissen wir auch, warum die Strasse so einsam ist. Schlagartig endet der breite Asphalt und wir wechseln auf eine kleine Schotterpiste, die sich fortan durch das Unterholz schlängelt. Irgendwie erinnert die gutgemeinte Investition der EU an die Autobahn mitten im kongolesischen Urwald, wo ein von Korruption und Misswirtschaft geschwächtes Strassenprojekt zwar gebaut, aber nie an das Strassennetz angeschlossen wurde. Nun, noch zwei heftige Frühjahrsregen und die Strasse ist eh nicht mehr passierbar. Afrika eben.

Monemvasia

Monemvasia

Sambatiki

Golf von Argolien

Wir verlassen Monemvasia nach Norden und halten uns so gut es geht an die Küstenlinie des Argolikos Kolpos. Die Strecke erweist sich als unerwartet schön. Obwohl nur wenige Kilometer von der Küste entfernt, erklimmt die kleine Strasse Höhen von knapp 1'000 Metern. Zwischen Lambokambos und Peleta reduziert sich der Weg dann zeitweise auf ein schmales Schotterbett, das durch grossartige Landschaft führt und uns den Eindruck eines Nationalparks beschert.

Zuvor hatten wir noch die uralten Olivenbaumhaine am Nonnenkloster Evangelsitria bestaunt, wollten dort aber nicht länger stören, nachdem sich der Wachhund des Klosters falls die Kehle aus dem Hals bellte. Für die Nacht findet sich ein guter Camping in der Badebucht von Makronisi. Am tadellos weissen Kiesstrand wage ich mich erstmals im Urlaub ins Meer und schnorchele etwas durch die Gegend. Viel Freude kommt dabei leider nicht auf. Obwohl ich einige Fischarten sehen kann, erscheint das Wasser verschmutzt. Der Meeresboden ist in Ufernähe übersät mit Müll und Schutt. Von alten Reifen bis zu Küchengeräten und Autobatterien findet sich alles in dieser Unterwasserwelt. Zudem überzieht ein zäher grüner Algenschleim den Boden. Ein trauriger Anblick.

3)

"Du sollst den Tag nicht vor dem Abend loben". Wie bitter sich dieser weithin bekannte Spruch in der folgenden Nacht bewahrheiten sollte, konnten wir bei Dämmerung noch nicht ahnen. Zwar führte uns am Abend bereits der lautstarke Gottesdienst einer offenen orthodoxen Kirche - deren Wortlaut auch noch zwei Buchten weiter zu vernehmen sein musste - vor Augen, dass die Griechen hinsichtlich der Lärmbelästigung keinen Regeln folgen. Dass aber "Megaphon" der beliebteste Gott der jüngeren griechischen Geschichte ist, sollte sich erst in der Finsternis offenbaren. Kaum lagen wir zur Ruhe, wurden wir durch das knacken, pfeifen und die Rückkoppelung völlig überlasteter Lautsprecher von einem rund 1 Km entfernt liegenden Restaurant aufgeschreckt. Mit ohrenbetäubendem Lärm nahm dann ein einheimischer Sänger einen monoton trostlosen Singsang auf, der für die nächsten 20 Minuten nicht mehr verstummen sollte. Selbst die von uns eingesetzten Ohrenstopfen, die den sonoren Schiffsdiesel auf der Fähre zu dämpfen vermochten, waren völlig überfordert. Die Schallwellen frassen sich durch alle Dämmungen bis in unsere Hirne und Mägen. Der Sing-Sang verstummte endlich und wir atmeten auf. Zu früh gefreut! Nach einer kurzen Verschnaufpause begann der griechische Barde erneut mit seinem Sing-Sang. Uns stockte der Atem und langsam aber sicher wuchs die Panik. Mit zunehmender Wiederholung - wir hatten mittlerweile Mitternacht - wuchsen die Bauchschmerzen zu Krämpfen und der Kopfschmerz hämmerte im Takt des infernalischen Lärms.

Nauplio

Mykene

Mykene

Epidaurus

Ist man als Reisender erst einmal lang genug in einem Land, eröffnen sich dem Betrachter die Perspektiven und Einblicke für die wesentlichen Lebensgewohnheiten der "Eingeborenen". Bei den Griechen scheint bis heute die starke Bindung zu den verschiedensten Göttern und Gottheiten erhalten geblieben zu sein. Nachdem wir bereits die lautstarken Preisungen für den Gott "Megaphonos" erdulden mussten, stellen wir nun mit Erstaunen fest, mit welcher Hingabe und Inbrunst dem Gott des ferngesprochenen Wortes "Telefonos" gehuldigt wird. Der "gläubige" Grieche führt zu jeder Tages- und Nachtzeit endlose Monologe mit der hohlen Hand. Ob am Strand, in der Stadt, im Auto, ja sogar auf dem Motorrad - Helme werden nur von den feigen Ausländern getragen - kaum ein Mensch, der sich nicht diesem Gott leiten lässt. Nur selten folgt eine Phase der Ruhe und Einkehr in der gelauscht wird, was "Telefonos" zu verkünden hat. Angesichts des Sprachschwalls fallen diese Reaktionen offenkundig aber nur kurz aus.

4)

Aber nach dem kurzen Ausflug in die griechische Götterwelt kommen wir zurück zur Gegenwart. In den letzten Tagen haben wir mit wachsender Begeisterung einige Kulturdenkmäler abgeklappert. Stets als die ersten Besucher am frühen Morgen durften wir Mykene und auch Epidaurus alleine und ungestört geniessen. Ab zwei dutzend Touristenbussen auf dem Parkplatz sind wir dann zumeist wieder zufrieden gegangen. Nach einem Abstecher nach Alt Korinth (sehenswert!) Sind wir dann über den Kanal von Korinth dann nach Norden und weiter nach Westen zum Cap Ireo gefahren. Dort hat man eine wunderbare Aussicht auf die Berge des Peleponnes und - laut Reiseführer - auch die nach Cap Sunion schönsten Sonnenuntergänge. Kaum haben wir unsere Ueli an diesem Ende der Welt geparkt, kommt eine Faru aufgeregt auf uns zu und warnt uns, den Wagen nicht unbeaufsichtigt stehen zu lassen. Ihr Fahrzeug sei vor wenigen Minuten aufgebrochen worden.

Eremitenhöhle

Meteora

Zebastian vor dem grossen Kloster

Meteora

Die Fahrt zu den Meteora Klöstern verläuft schnell und reibungslos. Abgesehen vom fäkalienverseuchten Meeresarm, den wir per Schiff im Norden der Insel Euiboa durchkreuzen und das den Abend aufziehende Gewitter gibt es nichts, was eine Erwähnung wert wäre. Dabei.... Ich vergass den Gebrauchtwagenhandel in der Gegend von Trikala. Dort werden alle Arten von gebrauchten Nutzfahrzeugen (vornehmlich aus D & CH) angeboten. Selbst der Zoll ist (so weit im Inland!) massiv vertreten.

5)

Nach dem Aus beim heimischen TÜV / MFK ist den meisten Baufahrzeugen und LKW noch ein zweites, drittes oder viertes Leben beschieden. Die Meteora Klöster sind beeindruckend wie eh und je. Angesichts der Besuchermassen - bereits kurz nach 8 Uhr stehen knapp zwei Dutzend Busse am grossen Meteora Kloster - beschränken wir uns jedoch auf die grandiose Landschaft und wandern umher. Abseits der Strasse ist man schnell alleine und ungestört.

Pindosgebirge

Kleine Kirche

Zebastians Nachtlager

Vikou-Schlucht

Von den Tourismusmassen verschreckt fahren wir weiter nach Norden und zweigen an einem Stausee entlang in die Pindos Berge ab. Schlagartig ebbt der Verkehr ab. Die Busse, Wohnanhänger- und mobile sowie die unzähligen Luxuskarossen mit deutschen Ausfuhrkennzeichen bleiben auf der Hauptroute, was uns sehr freut. Der Weg nach Vovousa wird zunehmend kleiner und führt durch endlose Pinienwälder. Nach einer ersten kunstvollen mittelalterlichen Bogenbrücke folgen wir einer kleinen Forststrasse in Richtung Laista. Zu unserem Glück können wir den verwinkelten Routenverlauf einer Kajakkarte entnehmen, die in Vovousa am Fluss aufgestellt war. Dennoch stellen sich öfters Fragen nach der richtigen Richtung. Durch herrliche Wald- und Berglandschaft erreichen wir nach gut zwei Stunden wieder Asphalt, um bei Skomneli im Schatten dreier kleiner Kirchen das Nachtlager aufzuschlagen. Nach einem kurzen Besuch des örtlichen Ziegenhirten sind wir alleine und geniessen die überwältigende Abendstimmung oberhalb des Pindosgebirges.

6)

Nach dem Frühstück folgen wir den neuen Wegweisern zu dem Aussichtspunkt Beloi Place am südöstlichen Rand der Vikous Schlucht (N 39°54'120, E 20°46'626). Im Anschluss an die neue Teerstrasse führt ein holpriger Weg noch 2 Kilometer weiter. Dann ist auch mit unserem "Ueli" Schluss. Weiter geht es nur zu Fuss. Doch die anschliessende halbstündige Wanderung lohnt sich sehr. Grösser und majestätischer als erwartet wirkt die Vikous Schlucht von diesem Adlerhorst, als alle Bilder hatten vermuten lassen. Wir verweilen an der tiefsten Schlucht Europas und lassen die Landschaft auf uns wirken.

Zagora

Antike Brücken

Kipri

Dodoni

Erst auf dem Rückweg treffen wir einzelne Wanderer. Ein völlig anderes Erlebnis, als die Massenabfertigung der Bustouristen keine 30 Kilometer weiter in Monodendri, von wo aus die Schlucht nur sehr beschränkt einsehbar ist und einen mickrigen Eindruck erweckt. Zum Abend finden wir uns auf dem Stadtcamping von Ioanina ein. Am fauligen Wasser des überdüngten Sees gelegen, freuen wir uns auf eine warme Dusche vor Ankunft des deutschen Caravan Clubs, der mit 30 Wohnwagengespannen an die Pforte klopft.

7)

Vorbei an den sehenswerten Ruinen von Dodoni (Eintritt frei am frühen Morgen) fahren wir zügig zurück nach Süden. Die Strasse nach Arta verliert ständig an Höhe und logt einem Flusslauf mit wunderbarem Eichenwald, der in der Morgensonne noch am dampfen ist. Rasten kann man am Flussbett aber leider nicht. Das gesamt Ufer ist von (vermutlich einheimischen) Wochenendtouristen derart mit Müllverseucht, dass man nicht einmal mit dem Wagen auf den Parkplatz will. Zwischen leeren Plastikflaschen, verschissenen Windeln und aller Art von Haushaltsmüll (bis hin zum ausrangierten Kühlschrank) mag niemand freiwillig stehen. Einmal mehr bleibt uns nur die Erkenntnis, dass die Griechen in kürzester Zeit lernen müssen, mit ihrer Umwelt sorgsam umzugehen. Falls nicht, lohnt sich eine Verhaltensänderung eh nicht mehr.

Poros

Mirtou-Bucht

Kefalonia

Bergstrecke

Mit der folgenden Mittagsfähre zieht es uns schon weiter von Vassiliki nach Fiskardo auf der südlicher gelegenen Insel Kefalonia. Deren Besuch lohnt sich alleine schon wegen der fantastischen Myrtos Bucht. Wo sonst findet man in Europa einen so weitläufigen, bogenförmigen, nahezu weissen (Kies-)strand mit bestechend türkis blauem Wasser.

8)

Unsere Stimmung hellt sich erst im hübschen Hafenstädtchen Poros und auf dem guten Camping in Sami auf. Uns überkommt doch noch das richtige Inselfeeling, sodass wir 2 Tage bleiben. Der unterirdische See von Melissani (inkl. Gesangseinlage des "Gondoliere") entpuppt sich zwar als reinster Touristennepp, kann uns aber nicht mehr schocken.

Fischerboot

Fiskardo

Fiskardo

Lefkada

 

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