Hamburg - Buenos Aires

Ist es ein Bubentraum, einmal mit einem grossen Ozeandampfer über die Weltmeere zu fahren? Ich erinnere mich an die ersten Sachbücher in meiner Kindheit, wo in schwarz-weiss und nur wenigen, matten Farbbildern Berichte von fernen Ländern abgedruckt waren. Dorthin fliegen? Das konnte sich doch niemand leisten! Das Schiff erschien als die einzig mögliche Verbindung mit Übersee.

Die Zeiten haben sich geändert. Ein Flugticket ist teilweise schon für ein Taschengeld zu haben und Passagierschiffe sind (abgesehen von luxuriösen Kreuzfahrtschiffen) völlig von den Weltmeeren verschwunden. Nur der Bubentraum ist geblieben: den blauen Planeten nicht nach Stunden in der Luft sondern nach Tagen auf See zu vermessen.

Dabei ist der Weg zu See für uns aber nicht nur ein romantischer Abstecher in vergangene Zeiten. Die Fahrt mit dem Frachtschiff der Grimaldi Reederei ermöglicht uns auch eine Zäsur zum hektischen und produktiven Leben daheim. Fünf Wochen werden wir von Hamburg bis Buenos Aires brauchen. Auf einem Schiff, dass uns zur Untätigkeit verdammt. Kein organisierter Zeitvertreib, keine staatlich lizenzierten Spassmacher, keine buntglitzernden Spielkasinos, kein Kino. Nichts ausser einer kleine Kabine, die Mannschaftskantine, die Mitreisenden und der unendliche Ozean.

Wir brauchen die Zeit für uns selbst. Uns zu besinnen, zu erholen, langsamer zu werden, herab zu fahren und uns auf die grosse Reise, die vor uns liegt vorzubereiten. In der Abreisehektik daheim hatten wir nicht einen Moment, Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt zu erfahren. Diese Zeit gönnen wir uns nun.

Wir freuen uns auf die Grande Amburgo, auch wenn Neptun sie ordentlich durchschüttelt und uns das Grün ins Gesicht steigen lässt. Nach den endlosen Horizonten der Sahara freuen wir uns auf die unendliche Weite des Atlantik.

Viel Freude beim Surfen!

> Reisebericht in der Druckfassung (.pdf-Datei) <

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