Bolivien

Heute oftmals als das "Armenhaus Südamerikas" betitelt, hat Bolivien eine bewegte Geschichte hinter sich. Ursprünglich mit dem Silberberg "Cerro Rico" von Potosi die Schatzkammer des spanischen Kolonialreiches, wurde Bolivien seit der Unabhängigkeit (1825) von nahezu 200 Staatsstreichen und etlichen kriegerische Auseinandersetzungen mit den Nachbarländern gebeutelt. Nicht nur der Zugang zum Pazifik wurde in einem dieser Kriege verspielt (Gewinn für Chile), auch ein Grossteil des Chaco im Tiefland fiel einem anderen Land (Paraguay) zu, das sich heute über den Ölreichtum der Region freuen darf. Probleme bereitet Bolivien heute nicht nur seine Binnenlage sondern auch die nur rudimentär entwickelte Wirtschaft. Einseitig abgestützt auf die Subsistenzwirtschaft weiter Teile der Landbevölkerung und einem veralteten, teils genossenschaftlich organisierten Bergbau lastet vor allem die mangelnde Struktur für die Produktion eigener Gebrauchsgüter auf dem Land.

So problematisch die wirtschaftliche und politische Situation Boliviens ist, so reizvoll ist das Land jedoch für den Reisenden. Jenseits der weiter entwickelten Länder Chile und Argentinien haben die Menschen Boliviens noch viel von ihrer Tradition erhalten. Bunte Märkte, traditionelle Bekleidung und eine gering entwickelte Infrastruktur erfreuen vor allem Individualreisende. Der Massentourismus hat in Bolivien noch nicht Einzug gehalten. Dabei ist das Land reich an Schätzen. Nicht nur unter der Erde. Traumhafte Landschaften aller Prägungen wechseln sich auf engem Raum ab. Von den Geysieren, Lagunen und Salaren des windumtosten Altiplano ist es nicht weit bis zu den Savannen und Regenwäldern des tropischen Tieflandes.

Was wir in Bolivien sehen werden, ist ungewisser als in den Nachbarländern. Schon ein Regenguss kann die Hauptverbindung zwischen zwei Städten unterbrechen. Auch ist das Land trotz des ersten indigenen Präsidenten in der Geschichte politisch nicht ruhig. Proteste, Demonstrationen und Strassensperren gehören vor allem in den Städten weiterhin zum Alltag. Dennoch fühlen wir uns sehr wohl im Land. Und abgesehen von dem ein oder anderen "Langfinger", der im Gedränge der Städte auf ein Opfer wartet, begegnen wir nahezu ausschliesslich sehr freundlichen und zurückhaltenden Menschen, die trotz ihrer misslichen wirtschaftlichen Lage einen Stolz und einen Willen zum Durchhalten ausstrahlen, den wir bei anderen Ländern vermisst haben.

Dass Bolivien für den Reisenden einige Herausforderungen bereit hält, zeigt sich schon bei der Einreise, wo an der Grenze zu Chile die Zollformalitäten auf 5'050 Metern über dem Meer abgewickelt werden. Und das ist erst der erste Höhepunkt in einem Land voller Superlativen.

Viel Freude beim Surfen!

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