Mit dem Flieger in Gabun

von Virginie & Daniel

Daniel und Virginie reisen seit Ende 1999 mit ihrem Landrover quer durch Afrika. Auf ihrer Homepage http://move.to/vida berichten sie monatlich vom Fortgang ihrer Reise. Über Westafrika sind sie bis nach Kamerun gelangt und von dort nach Gabun vorgestossen. Wie es ihnen dort ergeht, lest Ihr hier:

Gabun lässt uns nicht gehen!!!

Am Dienstag hatten wir also unser erstes Interview mit einer richtigen Journalistin! Myriam, die Frau von Laurent hat uns über unser Abenteuer Löcher in den Bauch gefragt. Sie wird darüber einen Artikel schreiben und diesen versuchen einer Zeitung zu verkaufen. Anscheinend machen wir doch etwas spezielles.

Wir wurden mitten in Libreville von einer Französin angesprochen. Sie wollte uns nur mitteilen, dass ihr Mann eine Garage in Libreville besitzt und wir jederzeit seine Räumlichkeiten benutzen können um an unseren Autos etwas zu arbeiten, wenn wir es nötig hätten. Das hat uns natürlich riesig gefreut und am Mittwoch profitierten wir von dem Angebot und machten einen Öl- und Filterwechsel. Ich muss natürlich sagen, dass ich mehr im gemütlichen Büro gelesen habe, während dem Daniel sich unter dem Auto mit Öl vollspritzen liess (es war ja schliesslich auch sein erster Ölwechsel) aber er überstand auch dies und so langsam muss ich sagen, dass Daniel mit der Automechanik keine Probleme mehr hat - obwohl er das ja nie gelernt hat.

Donnerstag war der grosse Tag. Wir hatten am Morgen früh einen Termin bei Delmas um unsere Fahrzeuge in den grossen 40" Container zu verladen. Es war imposant im Hafen zwischen all diesen tausenden von Containern. Die Verladung ging sehr rasch und ohne weitere Probleme vonstatten. Das einzige, was uns ein wenig wurmte, war das wir uns viel zu viel Mühe gegeben haben, alle Sachen vom Dach zu räumen und in das Auto zu verstauen. Der Container war so hoch, dass wir alles oben hätten lassen können! Wir erhielten von Delmas falsche Angaben - das ist übrigens nicht das einzige, als wir die Fahrzeuge im Container hatten und wir wieder zurück im Büro von Delmas standen, erfuhren wir, dass das Schiff nicht in zehn Tagen, sondern erst gegen ende Monat in Cape Town zu erwarten sei!!

Ich mache nun eine kleine Pause um denjenigen, welche Flugangst haben wie ich, die Chance zu geben die kommenden Zeilen bis ende Woche zu überspringen. Sie sollten nur darüber informiert sein, dass wir sicher in Südafrika angekommen sind! Diese Geschichte ist übrigens wirklich geschehen und nicht nur als Gag, für mehr Traffic auf unserer Page gedacht!

Von Laurent wurden wir an den Flughafen gebracht und hier beginnt der Katastrophenfilm!

Gemäss Flugplan sollten wir um 13 Uhr abfliegen. Vorher verbrauchten wir noch unsere letzten CFA für ein Orangina und eine Zeitschrift. Wir liessen unsere Pässe am Zoll abstempeln und stiegen nach einer kurzen Wartezeit in die Boeing 737/100 der südafrikanischen Gesellschaft INTERAIR. Das Flugzeug war schon auf dem Rollfeld als eine Lautsprecherdurchsage uns informierte, dass wir nochmals zurück müssen. Am Dock angekommen, lief ein Mechaniker in einem weissen Hemd nach draussen und es hiess wir würden in 30 Minuten abfliegen. Der Mechaniker kam nach 20 Minuten mit einem schwarzen Hemd ins Flugzeug und das Startprozedere begann von neuem. Diesmal hoben wir ohne Probleme ab. Das einzige was wir ein wenig komisch fanden, waren die ungewöhnlichen Turbulenzen - aber vielleicht lag dies ja am Wetter. 10 Minuten später murmelt der Flugkapitän etwas unverständliches ins Mirco: das einzige was wir zu hören glaubten war, dass wir nach Libreville zurückkehren mussten!

Arrrrghhh! Mein Blut fing an zu gefrieren und ich beginne wie ein Blatt im Wind zu Zittern! Daniel, ruhig, versuchte mich zu beruhigen, ganz wie er es in seinen Verkaufspsychologiekursen gelernt hat wenn es darum ging eine aufgeregte Kundin zu besänftigen!

Endlich landen wir ohne Probleme wieder in Libreville. Am Ausgang bestürme ich sofort eine Flight Attendant welche mir erklärt, dass das Problem an der Hydraulik liege. Dies hat zur Folge, dass die Räder nicht mehr eingefahren werden können und somit das Flugzeug nicht die erforderliche Höhe erreiche. Deshalb auch die ungewöhnlichen Turbulenzen. Ich war beruhigt, solange es nicht ein Motorenproblem ist ... geht es ja noch!

Dass ich mich trotzdem noch nicht ganz vom Stress erholt habe, merkte ich spätestens, als sich eine weisse Südafrikanerin (Laurraine) neben mich setzt um mir zu versichern, dass es nur auf alle zwei Millionen Flüge einen Unfall gebe und dass deshalb das Flugzeug immer noch das sicherste Transportmittel sei. Es war wirklich super von ihr, dass sie versuchte mich zu beruhigen und sie hat dies sehr gut geschafft. Laurraine arbeitet für Glaxo-Wellcome; die letzten paar Wochen war sie in Lambaréné im Albert Schweitzer Spital und hat dort eine neues Malariamittel getestet.

Wir haben auch einen Franzosen, Bertrand, getroffen. Er lebt in Zimbabwe und er hat uns sofort seine Adresse in Harrare gegeben falls wir gerne bei ihm vorbeikommen wollten (das interessiert uns natürlich). Auch hat er uns versichert, dass die Situtation im Land lange nicht so schlimm sei, wie sie in den letzten Tagen und Wochen in der Presse beschrieben wurde.

Einige Stunden später bekamen wir sichtlichen Hunger und Durst - wir haben ja seit 8 Uhr morgens nichts mehr gegessen und nun war es ca. 16 Uhr. Wir bekamen endlich ein kleines 10 x 10 cm Sandwich und 2 dl Wasser. Gegen 19 Uhr wurde uns das Flugzeugmenu vom Mittag serviert - zwei Stücklein Fleisch mit zwei Löffelchen Reis.

Niemand informierte uns wie das Theater weiter ginge, wir sahen nur das Flugzeug mit geöffnetem Bauch draussen stehen. Drei Mechaniker bastelten irgend etwas zusammen.

So langsam aber sicher bildete sich eine Gruppe von Passagieren, die sich zu organisieren begannen. Wir waren beide auch darunter. Zusammen entschieden wir, dass wir eine verantwortliche Person an den Ort des Geschehens bringen müssen. Wir machten uns auf ein Telefon aufzutreiben. Nicht so einfach - da wir ja alle den Gabon verlassen wollten war kein Geld aufzutreiben, mit Kreditkarte konnte man nirgens telefonieren und das Handynetz lässt in Gabon auch zu wünschen übrig. Zum Glück half uns ein Security Guard der uns sogar sagen konnte in welchem Hotel wir den Verantwortlichen finden konnten.

Mittlerweile war es 23 Uhr. Daniel telefonierte in das Hotel und verlangte den Verantwortlichen von INTERAIR Gabon, dieser kam auch prompt ans Telefon, gab sich jedoch als Arzt aus und sagte er käme nur, falls wir medizinische Hilfe bräuchten - einfach Unglaublich!!

Und plötzlich stand da ein anderer (Hr. Stefanos) von INTERAIR Gabon neben uns, mit einer Unschuldsmiene fragte er uns, was wir gerne möchten. Daraufhin erklärten wir ihm, dass wir mit diesem Reparaturbedürftigen nicht mehr fliegen wollen und er gefälligst etwas für uns organisieren soll. Als Antwort erhielten wir, dass es nichts zu organisieren gäbe da das Flugzeug um 0.30 Uhr zum Start bereit stünde!

Daraufhin konnten wir eigentlich nicht mehr viel antworten. Da wir alle endlich nach Südafrika wollten gingen wir wieder in die Wartehalle und informierten die anderen. Laurraine und ich bereiteten uns für den zweiten Start vor. Das Flugzeug hebt ab, ich bin unheimlich nervös und schrecke bei jedem Geräusch zusammen. Daniel hört das Einziehen der Räder und das Schliessen der Radkästen nicht, sagt mir jedoch nichts davon. Fünf Minuten später läuft eine Flight Attendant nach hinten, es riecht nach etwas verbranntem und das Flugzeug wir wieder von ähnlichen Turbulenzen durchgeschüttelt. ... Wir erfuhren später, dass es ein Loch in einer Kerosenleitung gab und daher einer der drei Motoren zu brennen begann - der Pilot konnte diesen jedoch noch rechtzeitig Abstellen.

Ich beginne wiederum zu zittern wie Espenlaub. Diesmal bin ich jedoch nicht die einzige im Flugzeug, die eine Riesenangst hat. Der Pilot wendet und kehrt wiederum nach Libreville zurück. Als wir aufsetzen sehen wir schon von weitem die Feuerwehrfahrzeuge auf uns zustürmen. Dann stoppt das Flugzeug plötzlich am ende der Piste. Der Pilot meinte nur, dass er nicht mehr steuern könne, da kein Hydrauliköl mehr in der Leitung sei und wir deshalb auf den Abschleppdienst warten müssten!

Am Ausgang stehend schwöre ich zu mir selbst, nie mehr auch nur eine Zehe in dieses Flugzeug zu setzen. Neben mir steht Laurraine ebenso weiss im Gesicht wie ich.

Wir denken uns natürlich, dass wir nun in ein Hotel gebracht würden. Aber da haben wir uns alle getäuscht! INTERAIR lässt uns neben dem Flugzeug warten (der Flughafen war mittlerweile geschlossen und wir konnten das Gelände nicht verlassen, da wir kein gültiges Visum mehr hatten). Alles Protestieren nützte nichts, wir mussten bis um 5 Uhr kämpfen (einige unter uns schliefen mittlerweile schon auf dem Asphalt) bis wir es schafften den Mann von INTERAIR Gabon so in die Mange zu nehmen, dass es einen Hotelbus bestellte. Später erfuhren wir per Zufall weshalb er erst ab 5 Uhr zustimmte: Nach 5 Uhr musste INTERAIR nur noch einen sogenannten "Tarif repos" und nicht mehr die volle Nacht bezahlen.

Gegen Mittag bekamen wir einen Telefonanruf ins Hotel, dass wir alle an den Flughafen kommen sollten, das Flugzeug stünde bereit zum Abflug. Dort angekommen, zeigte es sich jedoch, dass das Flugzeug noch lange nicht bereit war und INTERAIR wollte uns einfach aus dem Hotel raushaben um nicht noch eine Nacht mehr bezahlen zu müssen (12h check-out time). Es begann also der selbe Zirkus von neuem, man liess uns ohne News warten. Diesmal reagierten wir jedoch früher. Ich machte eine Liste all derjenigen Passagiere, die nicht mehr in das Flugzeug steigen, statt dessen jedoch den Flug vom kommenden Sonntag mit Air Gabon nach Johannesburg nehmen wollten.

Wir unterbreiteten Hr. Stefanos, der von den Ereignissen sichtlich überfordert war, diese Liste mit der Bitte, dass er doch alle diese Passagiere umbuchen lassen sollte (in seinem Reisebüro wäre dies ja ein leichtes gewesen!). Aber nein, Laurraine, Daniel und ich mussten die Sache in die Hand nehmen und alle Passagiere umbuchen lassen.

Gegen 17 Uhr fingen wir wieder einmal an zu protestieren und wollten ins Hotel zurückkehren. Diesmal dauerte es nicht sehr lange, bis wir Hr. Stefanos soweit hatten und er bestellte den Hotelbus relativ schnell. Der Bus war schon da und die meisten Passagiere waren schon eingestiegen, als Herr Stefanos uns aufgeregt mitteilte, dass das Flugzeug um 18.30 Uhr starten würde. Doch unser Entschluss stand fest, wir setzten keinen Fuss mehr in dieses Flugzeug. Fünf Passagiere stiegen wieder aus und machten sich mit ihrem Gepäck auf zum Flugzeug.

Im Hotel angekommen verabredeten wir uns alle um 20 Uhr in der Lobby um miteinander essen zu gehen. Als wir uns alle in der Lobby versammelten, geht die Hoteltüre auf und die fünf, die eigentlich schon lange in der Luft sein sollten kommen herein! Diesmal hat es die Hydraulikpumpe erwischt und es ging nichts mehr. Das Flugzeug war jedoch noch nicht in der Luft. Statt die ganze Hydraulikleitungen zu ersetzen, bastelten sie wieder einmal etwas zusammen, so als ob man ein Flugzeug hinter der nächsten Wolke parkieren könnte wie ein Auto auf einem Pannenstreifen!

In der Nacht wurde ein Ersatzteil und ein Mechaniker organisiert und am Samstag Nachmittag gegen fünf Uhr flog das Flugzeug mit ein paar wenigen Passagieren nach Johannesburg. Das Flugzeug sollte ursprünglich von Libreville nach Duala und von dort nach Johannesburg fliegen. Die Passagiere, welche nach Duala wollten nahmen jedoch am Morgen früh den Flug von Air Gabon.

Wir und etwa 12 andere blieben noch eine Nacht im Hotel bis am Sonntag. Diese Nacht wurde von INTERAIR nicht mehr bezahlt (das Flugzeug ist ja am Samstag geflogen lautete die Begründung - nichts von Goodwill!). Das einzige was wir von INTERAIR erreichen konnte, war, dass wir ein Zimmer zum Spezialpreis von 400 CFA statt 800 CFA bekommen konnten. Laurraine bezahlte dann zwei Zimmer und meinte sie könne dies ohne weiteres über das Geschäft laufen lassen. So machten wir einen Frauen und einen Männerschlag. Danke vielmals Laurraine (oder Glaxo-Wellcome!).

Am nächsten Morgen standen wir alle um 4 Uhr auf damit wir den Flug von Air Gabon um 7 Uhr ja nicht verpassten. (Der nächste Flug wäre danach wieder am kommenden Donnerstag mit INTERAIR gewesen!) Der Flug verlief ohne Probleme und als wir in Johannesburg landeten, sahen wir unter den vielen Flugzeugen auch die Boeing von INTERAIR - da viel uns ein Stein vom Herzen, dass unsere Freunde gut gelandet sind.

Während dieser Geschichte, nebendem dass mir sicherlich weisse Haare gewachsen sind, haben wir super Leute kennengelernt, die wir sicherlich auf unserer weiteren Reise wiedersehen werden. Aber jetzt ist mit Gabon endlich Schluss! Nicht das uns dieses Land nicht gefallen hätte - jedoch sind einfach zuviele Sachen passiert.

Nicht zu vergessen, dass wir Gabon eigentlich nur als Transitland benutzen und dort maximal 10 Tage verbringen wollten ... es sind daraus 37 Tage geworden!!