2 Jahre Südamerika mit dem HZJ 78

Rund 60'000 Kilometer sind wir in den zwei Jahren in Südamerika mit dem Toyota gefahren. Wie zu erwarten war, das meiste auf Asphalt (wenn auch von sehr unterschiedlicher Qualität). Rund 15'000 Kilometer sind wir jedoch auf Pisten gefahren und so einige Abstecher waren wir auch abseits befestigter Wege. Insgesamt aber sind die Ansprüche an ein Fahrzeug in Südamerika deutlich geringer als in Afrika. Ein Allradfahrzeug würden wir aber dennoch jederzeit einem "normalen" Wohnmobil für den Kontinent vorziehen, auch wenn sich die Strassensituation von Jahr zu Jahr weiter verbessert.

Nachdem wir wieder zu Hause sind, ist es Zeit ein Resumé zu ziehen, was sich am Wagen bewährt hat und was nicht. Was gehalten hat und was eben nicht. Insgesamt sind wir weiterhin sehr zufrieden mit dem HZJ78, der uns nie im Stich gelassen hat und stets zuverlässig seine Arbeit verrichtet hat. Lediglich einmal mussten wir nach tiefem Nachtfrost im Altiplano auf die Wiederbelebung des Motors warten, nachdem der Diesel trotz Zusatz eingesulzt war.

Jedenfalls werden wir dem Toyota Landcruiser treu bleiben und sehen in der Fahrzeugklasse keine Alternativen. Nur den Innenraum hätten wir uns grösser gewünscht. Zumal das kalte und stürmische Wetter im südlichen Teil Südamerikas mit einer festen Kabine anstatt des Hubdaches angenehmer zu vertragen gewesen wäre. So schön eine grosse Kabine dann aber auch wieder ist (abgesehen von der Gewichtsproblematik), für Brasilien z.B. wäre eine Kabine eher hinderlich gewesen. Und das nicht nur wegen der höheren Temperaturen. Vor allem die Zufahrten zu Pensionen, Hostals und Cabanas sind in Brasilien nahezu immer durch Einfahrtstore mit maximal 2.30m Höhe begrenzt. Und wildcampen ist in Brasilien abgesehen von Tankstellen (wo wir nie hin wollten) eigentlich kaum möglich. So bleibt das für und wieder zwischen Hubdach und Kabine bestehen. Aber: man kann eben nicht alles haben...alls

Das einzige nennenswerte mechanische Problem, dass wir auf der Reise hatten, betraf die Vorderachse. Nach einem derben Schlagloch in Patagonien war die Lenkung nicht mehr so ruhig wie gewohnt. In Brasilien musste ich schliesslich feststellen, dass der Lenkungsdämpfer defekt war. Der Austausch war zwar mühsam, aber wir hatten einen Ersatzdämpfer dabei.

Das Problem der Unruhe in der Vorderachse war dadurch jedoch nicht vollständig behoben. Da die Reifen (BF Goodrich Mud-Terrain 255/85 R16) sehr unrund abliefen und ich sie alle 10'000 km neu auswuchten lassen musste, hatte ich die Reifen in Verdacht, die Ursache für das schlechte Fahrverhalten des Wagens zu sein.

Bei Ernesto Hug in La Paz haben wir dann die ganze Vorderachse überholen lassen und alle Lager getauscht. Für alle Teile (inkl. Dichtungen) und Arbeit berechnete er weniger als CHF 500. An den Lagern waren keinerlei verdächtige Laufspuren zu erkennen, dennoch war nach der Reparatur das Flattern der Lenkung bei höheren Geschwindigkeiten weg.

Zu Hause, beim Rückbau des Wagens zur MFK-Norm stellte ich dann noch fest, dass drei der vier Koni Heavy Duty Stossdämpfer ruiniert waren. Mit der normalen Bereifung und Toyota Stossdämpfern liegt der Wagen nun wieder wie ein (hartes) Brett auf der Strasse.

 

Was wir nach zwei Jahren beim Ausbau anders machen würden und welche Probleme wir bislang hatten:

Hubdach: keine Probleme (nur regelmässig das Zelt imprägnieren, so ca. alle 6 Monate). Der Zeltstoff hat sich im harten Wind Patagonien etwas geweitet, flattert aber nicht, wenn man zwischen Zelt und Moskitonetz Schwämme klemmt, die das Zelt dann gegen die Gasdruckdämpfer abstützen. Das Zelt ist bis heute unbeschädigt und auch das Moskitonetz hat nur einen einzigen kleinen Riss (eigene Unachtsamkeit). Ein von uns selbst angefertigtes Innenzelt (dreiteilig) hat sich in der Höhe und Kälte sehr gut bewährt, da der zweite Stoff mit der Luftschicht dazwischen eine gute Isolationswirkung erzielt und es im Dach spürbar wärmer und zugfreier wird.

Dachträger: keine Probleme, selbst die Demontage nach der Reise mit Abnahme der Sika-angeklebten Aufnahmen an der Motorhaubenhalterung war problemlos.

Scheiben: Die Frontscheibe erhielt in Brasilien nach 8 Monaten Reise einen harten Steinschlag. Der Schaden begann dann in der Hitze Argentiniens, sich auszuweiten. Bis zum Ende der Reise durchzogen schliesslich 3 grosse Risse die Frontscheibe. Gewechselt haben wir sie aber erst daheim.

Toyota Mechanik: keine weiteren Probleme abgesehen von den oben geschilderten. Normale Serviceintervallen alle 10'000 km.

Toyota Karosserie: die Schlösser der Vordertüren sind etwas hakelig, ebenso das Zündschloss. Die Nutzung eines der Ersatzschlüssel anstatt des Originalzündschlüssels brachte etwas Abhilfe. Rostflecken sind nach einem Jahr in Wind und Wetter (auch nach dem Salar Uyuni) nicht zu sehen.

Rahmen & Achsen: der gesamte Unterboden wurde durch die vielen Schotterfahrten in Mitleidenschaft gezogen und ist mit unzähligen Steinschlägen gesprenkelt. Mit etwas Farbe war das aber wieder behoben.

Anbauteile: Landrover Heckstufe nach 3 Monaten defekt, jedoch einfache Reparatur, Zusatztank: Überlaufschlauch rinnt nach 12 Monaten, Schlauch zwischen Umfüllpumpe und Haupttank ist zum Ende der Reise porös und rinnt ebenso. Sonst keine Probleme.

Toyota Innenausstattung: keine Probleme

Innenausbau: keine Probleme, aber wir hätten gerne mehr Platz für einen zweiten Sitzplatz und einen komfortablen Tisch, am liebsten noch für ein Sofa, zum gemütlich schlechtes Wetter aussitzen. Das lässt sich aber in dem kleinen Wagen nicht realisieren. Vor allem, wenn man so viel (wie immer viel zu viel) Sachen dabei hat. Joly liebäugelt schon mit einem LKW...

Diverses: die 3 kleinen Heckplanen und die Moskitonetze für die Dachluke und die Hecktüren haben wir häufig genutzt.

Ausrüstung: die Optimus Benzinkocher verschleissen mit Autobenzin schneller als gedacht. Zumindest bekamen wir in Chile überall günstig Reinbenzin, womit die Kocher einwandfrei funktionierten. Gas ist wohl die bessere Lösung, zumal mit etwas Sucherei normale europäische Flaschen mit Adapter an vielen Orten gefüllt werden.  In Argentinien und Chile sind an vielen Orten Wegwerfkartuschen mit Ventil erhältlich. Diese kosten aber ebenso viel wie daheim.

Elektronik: auf der ganzen Reise musste ich gerade einmal 4 Staubkörner aus der Nikon D200 entfernen, ansonsten aber stets einwandfreie Funktion, auch bei -15°C und im Regenwald. LapTop (Dell) und mobile Festplatten hielten ebenso klaglos durch.

Nie benutzt aber dabei: Schneeketten, Habegger, Militärwassersäcke, Befestigungsösen auf Motorhaube

Weitere Defekte: Benzinschlauch des Benzinkochers gebrochen, Gummidichtung Schnellkochtopf gerissen, Benzinkocher bläst neben Düse aus, etwas Wasser im linken Fussraum nach etlichen Tagen sintflutartigem Regen, Wasser im Fahrzeugheck, wo Wagenheber befestigt ist (nach sehr tiefer Wasserdurchfahrt), dementsprechend in den Gegenden mit tiefen Wasserfurten Abdichtgummis aus Holmen gelöst.

Reifen: die BFGoodrich MudTerrain 255/85 R16 haben sich als sehr widerstandsfähig erwiesen. Auf 40'000 km hatten wir nur 2 Plattfüsse (Nägel). Die Reifen auf der Hinterachse haben zwar etliche Ausbrüche bei den Profilen (v.a. aufgrund Schotter in Patagonien), weisen aber noch immer gut 4mm Profil auf. Die Reifen vorne mussten wir nach etwas mehr als 30'000 km tauschen. Die Auswaschungen im Profil waren so gross, dass ein ruhiger Geradeauslauf auf Asphalt nicht mehr möglich war. Im Gelände ist der Reifen wirklich hervorragend, auf der Strasse aber mit Vorsicht zu geniessen. Die 265/75 R16 dürften die bessere Wahl sein, da stabiler auf Asphalt.

 

Fazit:

Der Toyota HZJ78 erweist sich als Basisfahrzeug auch nach 60'000 km in Südamerika, (100'000 km total) als sehr robust und ist bislang pannenfrei unterwegs. Auch die Umänderungen und Innenausbauten haben die Tour  unbeschadet überstanden. Das extreme Wetter in vielen Gebieten Südamerikas lässt uns jedoch öfters ein noch grösseres Fahrzeug wünschen, was jedoch noch teurer wird und beim Seetransport erhebliche Zusatzkosten verursacht. Auch sind mit einem LKW o.ä. touristische Ziele (v.a. in Brasilien) kaum mehr anzufahren. Der Ausbau bleibt ein Kompromiss, vermutlich würden wir für eine weitere Reise (sollte es denn eine einmal geben) eher auf eine feste Kabine setzen. Aber wer weiss, vielleicht sind wir dann ja in einem Alter, wo wir lieber auf Neckermann setzen...

 

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